Heizkosten Der Winter wird richtig teuer

Die Heizölpreise stiegen zuletzt noch schneller als die Rohstoffnotierungen.

(Foto: Claus Schunk)
  • In diesem Jahr stiegen die Heizölpreise bereits im Sommer deutlich.
  • Viele Kunden probierten zunächst, die steigenden Ölpreise auszusitzen - und mussten dann im September zu noch höheren Preisen bestellen.
Von Jan Willmroth, Frankfurt

Die Preiskurven sehen verdächtig danach aus, als wiederhole sich gerade die Geschichte. In den vergangenen Monaten haben die Ölpreise in Euro gerechnet ein ähnliches Niveau erreicht wie Ende des Jahres 2007, als die Finanzkrise die Welt in eine Rezession stürzte. Wenige Wochen werden noch vergehen, ehe die US-Sanktionen gegen Iran in Kraft treten und mutmaßlich eine erhebliche Menge Erdöl vom Weltmarkt verschwinden wird.

In vorauseilendem Gehorsam bestellen Importeure schon weniger Öl aus Iran, eine stärker als prognostiziert steigende Nachfrage und Produktionskürzungen der Petrostaaten haben den Ölpreis auf den höchsten Stand seit vier Jahren getrieben. "Teure Energie ist zu einem schlechten Zeitpunkt für die Weltwirtschaft zurückgekehrt", warnt Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur.

Verbraucher in Deutschland trifft das direkt, allen voran jene, die ihre Häuser und Wohnungen mit Öl heizen. Die Rohölpreise beeinflussen die Kosten für den Treibstoff in den heimischen Tanks fast unmittelbar. Die Heizölpreise stiegen sogar noch schneller als die Rohstoffnotierungen: Wegen des außergewöhnlich trockenen Sommers sind die Pegelstände der wichtigsten Wasserstraßen zu niedrig für die Binnenschiffe, die das Öl von den Raffinerien in Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam zu deutschen Ölhändlern bringen.

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Das Gericht gibt damit einer Klage des Iran statt, in der eine einstweilige Verfügung gegen die US-Maßnahmen gefordert wurde. Washington hält das UN-Gericht dagegen für nicht zuständig.

Die Tanker können nicht voll befüllt werden, es kommt mehr Treibstoff per Lkw und Zug. "Die Frachtkosten sind deshalb erheblich gestiegen", sagt Klaus Bergmann, Geschäftsführer des Online-Heizölmaklers Esyoil. "Die hohe Nachfrage tut ihr Übriges. Verbraucher müssen momentan mit Lieferzeiten von 30 Tagen rechnen."

Bergmann hat beobachtet, wie zahlreiche Kunden in diesem Jahr versucht haben, die steigenden Ölpreise auszusitzen. In den Sommermonaten bestellten sie ungewöhnlich wenig. Als der Herbst bevorstand, die Öltanks in vielen Haushalten leer waren und die Börsenpreise für Rohölkontrakte weiter stiegen, bestellten im September so viele Kunden auf einmal, dass es zu regionalen Lieferengpässen kam. Dieser Nachfragedruck hält an, wie Bergmann beobachtet. "Verbraucher haben eigentlich ein recht gutes Gespür dafür, wann sie günstig einkaufen", sagt er. Das sei im Lauf dieses Jahres nicht so gewesen. Viele Tankfüllungen waren also teurer als nötig.

Wer bis jetzt mit dem Heizölkauf für die Winterzeit gewartet hat, steht vor einer schwierigen Kalkulation. Je nachdem, wie die regionale Versorgungslage ist, sollte man die langen Lieferzeiten bedenken - vor allem in Bayern, wo Anfang September eine Raffinerie bei Ingolstadt explodierte. Der Versuch, die Situation auszusitzen, ist möglicherweise ein Fehler, denn nach wie vor ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Ölpreise mindestens bis zum Jahresende weiter steigen.

Neueste Prognosen der US-Energiebehörde EIA rechnen mit einer weniger angespannten Versorgungslage auf dem Weltmarkt in den ersten Monaten des kommenden Jahres. Nachdem die Ölpreise in den vergangenen Tagen schon spürbar nachgegeben haben, könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein, zu bestellen: Etwas mehr als 80 Euro kostet eine Standardlieferung von 3000 Litern im Bundesdurchschnitt aktuell. Wer im Netz die Preise lokaler Händler mit denen von weiter weg vergleicht, kann noch einige Euro sparen.

Zeiten hoher Preise sind immer eine gute Gelegenheit, seinen Verbrauch zu optimieren

Der lange anhaltende Preisvorteil von Ölheizungen aber ist dahin, und erstmals seit vier Jahren steigen die Heizkosten insgesamt. Im gerade erschienenen Heizspiegel prognostiziert die Beratungsfirma Co2online für Haushalte mit Ölkessel in 2018 durchschnittlich eine um acht Prozent höhere Rechnung als im vergangenen Jahr. Erdgas sei dagegen wieder relativ günstiger geworden, wobei auch Gaskunden im kommenden Winter mit höheren Kosten rechnen müssen.

Dafür haben die Besitzer der etwa fünf Millionen Ölheizkessel jahrelang von der Phase niedriger Ölpreise profitiert, und das deutlicher als Autofahrer. Der Anteil an Steuern bei Benzin- und Diesel ist wesentlich höher, Schwankungen der Rohstoffpreise schlagen auf den Heizölpreis schneller durch. Bei ein oder zwei Tankfüllungen im Jahr hat der Heizölkauf dadurch automatisch einen spekulativen Charakter: Immer stehen Kunden vor der Frage, ob es sich lohnen könnte, noch zu warten.

Mit strategischen Empfehlungen tun sich Fachleute wie Bergmann in der momentanen Situation allerdings schwer. Wer für den Winter vorsorgen will, sollte die aktuelle Preisdelle nutzen und seine Tanks auffüllen. Kunden mit etwas mehr Freude am Risiko können erst eine Teilmenge kaufen und auf niedrigere Preise im Februar oder März setzen - müssen dann aber auch bereit sein, am Ende draufzuzahlen.

In jedem Fall lohnt es sich, gemeinsam mit einem oder zwei Nachbarn einzukaufen. In der Regel ist der Mengenrabatt bei mehreren Standardbestellungen noch spürbar, nivelliert sich aber bei sehr großen Mengen. Große Sammelbestellungen ergeben daher kaum noch Sinn, zumal die Ersparnis die aufwendige Koordination unter mehr als drei Haushalten kaum aufwiegt.

Effektiver als unterjährige Spekulation beim Ölkauf ist eine mittel- und langfristige Planung des eigenen Heizbedarfs. Wer effizient heizt und lüftet, kann seinen Verbrauch schon mit den vorhandenen Geräten spürbar reduzieren. Dann und wann sollte man außerdem durchrechnen, ob sich ein neuer Kessel oder gar der Umstieg auf einen anderen Brennstoff rechnet.

Neue Heizungen fördert die Bundesregierung über günstige KfW-Kredite und Zuschüsse des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. In der Energiestatistik haben solche Maßnahmen schon ihre Spuren hinterlassen: Vor 15 Jahren verbrannte hierzulande noch etwa doppelt so viel Heizöl, die Zahl der Ölheizungen aber ging seither nur um gut ein Viertel zurück. Zeiten höherer Preise bieten immer einen guten Anlass, den eigenen Verbrauch zu optimieren. Dann haben US-Sanktionen, gedeckelte Produktionsmengen und trockene Sommer weniger Einfluss auf den Kontostand.

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