Heiraten in HamburgVon wegen Hafen der Ehe

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Heiraten ist in Hamburg derzeit kompliziert.
Heiraten ist in Hamburg derzeit kompliziert.
Henning Angerer/imago/Hoch Zwei Stock

Die Zahl der Eheschließungen ist in Hamburg auf den niedrigsten Stand seit 1938 gefallen. Was ist da los?

Von Saskia Aleythe

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Möglich ist in Hamburg vieles: In der Kiez-Kneipe auf der Reeperbahn zu heiraten, im Stadion von St. Pauli oder direkt auf einem Schiff, das die Elbe entlang schippert. Es mangelt also nicht an Orten, an denen sich Paare in der gewünschten Atmosphäre das Ja-Wort geben können. Irgendwo müssen die ganzen Junggesellenabschiede, die sich in den Sommermonaten durch die Stadt wälzen, ja auch hin. Doch wer es ernst meint, muss auch zum Standesamt und nun wartete das Statistikamt Nord am Montag mit dieser Meldung auf: Die Zahl der Eheschließungen war im vergangenen Jahr in Hamburg auf dem niedrigsten Stand seit 1938, dem Beginn der Erhebung. Nein, da ist kein Zahlendreher der Autoren drin, das ist tatsächlich die Referenz: 1938.

Gerade einmal 4323 Ehen wurden im vergangenen Jahr in der Hansestadt geschlossen. Man muss kein Statistiker sein, um zu merken: Bei rund 1,9 Millionen Einwohnern sind das nicht gerade viel, ja sogar: verdammt wenig. Da liegt der Verdacht nahe, dass sich einfach zu viele überzeugte Singles und Lebensgemeinschaften in der Großstadt tummeln, die dem Prinzip Ehe abgeschworen haben. "Heiraten scheint noch immer nicht wieder in Mode gekommen sein", liest man dazu bei der Deutschen Presse-Agentur. Gegenargumente liefern allerdings die Standesämter: Man könne gefühlt jeden Tag nur Trauungen anbieten, sagt Mike Schlink vom Bezirksamt Altona, die Anzahl der Anfragen sei "unfassbar hoch".

Den Ämtern fehlt's an Personal

Eigentlich müsste man in Deutschland nirgends so gut in den Hafen der Ehe einlaufen können wie in Hamburg, doch wer andere trauen will, braucht auch Personal. Und daran mangelt es in der Hansestadt offenbar. 2024 plant etwa das Standesamt in Altona mit bis zu zehn Mitarbeitern, im vergangenen Jahr waren wegen Krankheitsausfällen und Fluktuation kurzzeitig nur drei Standesbeamte und -beamtinnen im Dienst. Ein Problem, das sich auch in anderen Bezirken zeigt. Und wer kein Personal hat, kann auch niemanden vermählen. Zumal Standesbeamte auch noch andere Aufgaben erfüllen müssen: Geburts- und Sterbeurkunden ausfüllen zum Beispiel, wichtige Dokumente, die im Zweifel eine höhere Priorität bekommen.

Und je mehr Menschen nach Hamburg ziehen, desto mehr Arbeit häuft sich an: In den vergangenen fünf Jahren ist die Stadt um 60 000 Einwohner gewachsen. Gibt es mehr Krankenhäuser und Altenheime in den Bezirken, gibt es in den Standesämtern ebenfalls mehr zu tun.

Um trotzdem einen Termin in Hamburg zu ergattern, ist die richtige Strategie gefragt. Das Anforderungsprofil ist knifflig: Frühestens sechs Monate im Voraus kann gebucht werden. Trotzdem ist rechtzeitiges Antreten nötig: Dienstags und neuerdings auch donnerstags werden etwa am Standesamt in Altona neue Termine vergeben, die Schlangen sind lang, teilweise schon um 6 Uhr morgens stehen die Jasager vor den Türen. Termine gibt es erst ab acht Uhr. Anmelden geht seit diesem Februar nur noch persönlich: So sollen vor allem die eigenen Einwohner einen Termin abbekommen. Mit der Nähe zur Elbe ist das recht anschauliche Rathaus in Altona auch über Hamburg hinaus ein beliebter Ort zum Heiraten.

Und wer trotz allem keinen Termin bekommt, der findet vielleicht nur ein paar Kilometer weiter sein Glück: In Schleswig-Holstein heirateten im vergangenen Jahr sehr viele Paare, es wurden fast 17 Prozent mehr Ehen geschlossen als 2021. Tatsächlich werden Heiratswillige von den Hamburger Standesämtern gerne ins Nachbarland verwiesen, recht weit oben auf der Liste: A wie Ahrensburg, keine 40 Minuten mit dem Zug vom Rathaus in Hamburg entfernt - und mit einem eigenen Schloss ausgestattet. Täglich kommen etwa 20 Anfragen bei ihnen an, sagt eine Mitarbeiterin am Telefon, auch viele aus Hamburg. Ab dem 1. August werden neue Termine vergeben. Allerdings auch erst für 2024. Immerhin das Schiff für die Trauung kann man sich jetzt schon mal aussuchen.

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