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Heckler & Koch, Sig Sauer und die NRA:Auf der schwarzen Liste

Die US-Ableger der Deutschen betreiben auch direkt im Zentrum der Macht Lobbyarbeit. Seit 2004 sind für Sig Sauer USA Ausgaben in Höhe von mehr als einer Million Dollar im Register des Kongresses vermerkt. Als Themen nannten die Lobbyisten neben Regierungsaufträgen explizit den Kampf gegen den Assault Weapons Ban. Das Lieblingsprojekt der Waffengegner sollte den Verkauf halbautomatischer Sturmgewehre verbieten. Die feuern und feuern: jeder Fingerabzug eine Kugel, ohne Pause, um wieder schussbereit zu werden. Mit ihnen können Täter während Schulmassakern oder Gang-Schießereien in wenigen Minuten Dutzende Menschen töten. Das Gesetz war 2004 ausgelaufen. Nachdem der 20-Jährige Adam Lanza vor einem Jahr an einer Grundschule in Newtown 20 Kinder und sechs Erwachsene erschoss (er trug auch eine Pistole von Sig Sauer bei sich), versuchten Demokraten, es neu aufzulegen. Auf ihrer schwarzen Liste standen auch fünf Sig-Gewehre, halbautomatische Versionen von Armeewaffen für den Zivilmarkt und Modelle von H&K. Eine Senatsmehrheit lehnte den Entwurf ab. NRA und NSSF hatten mehr als zwei Millionen Dollar in den Kampf gegen neue Waffengesetze gesteckt.

Nach dem Massenmord in einem Kino in Colorado schrieb Kolumnist Charles Lane 2012 in der Washington Post: "Die amerikanische Waffenkultur existiert in Symbiose mit Europas eigener Kultur der Präzisionsfertigung. Für amerikanische Waffen-Junkies ist Deutschland die Nummer zwei der europäischen Dealer." Nur aus Österreich importieren die USA mehr Schusswaffen, hauptsächlich Pistolen der Firma Glock. Kommende Woche reist eine Gruppe amerikanischer Friedensaktivisten nach Europa. Sie wollen den Verantwortlichen von Glock und Sig Sauer ins Gewissen reden, "Waffenrechts-Extremisten" nicht mehr zu unterstützen.

Die Firma Carl Walther baut seit mehr als hundert Jahren Pistolen. Heute gehört sie der PW Group aus dem Sauerland. Vier Fünftel des Umsatzes macht Walther im Ausland, Amerika wird immer wichtiger. So wichtig, dass die Firma vergangenes Jahr eine eigene Tochter in Arkansas gründete. Vorher wurden ihre Waffen in den USA von Smith & Wesson importiert oder in Lizenz gebaut. Walther unterstützte die NRA in mindestens einem Fall mit einer Sachspende. Für die Jahresversammlung im Frühjahr in Houston schenkte Walther der Organisation eine Waffe. Unter der Auktionsnummer 124 wurde die Pistole, Model PPS, versteigert. Auch H&K spendete eine Waffe. Die Erlöse finanzieren das Institute for Legislative Action mit, den wichtigsten Wahlkampfarm der NRA. Er gab 2012 fast 4,6 Millionen Dollar für Stimmungsmache gegen demokratische Kandidaten aus. Republikaner unterstützte er mit 2,7 Millionen.

Geld von der PW Group an die NRA floss direkt von Umarex USA, Schwester der deutschen Sportwaffenfirma Umarex, die ebenfalls PW gehört. Umarex spendete den NRA-Unterlagen zufolge zwischen 25.000 und 49.999 Dollar an die Lobby. Bis zu diesem Sommer warb ein Button auf der Umarex-USA-Homepage: "Werden Sie NRA-Mitglied!" Dass die PW Group eine notorische Lobbygruppe bezahlt hat, soll die Öffentlichkeit nichts angehen. Ein PW-Sprecher schreibt per E-Mail: "Sorry, die Geschäftsleitung möchte der Süddeutschen auf diese Fragen generell keine Antworten geben." Sie beträfen "fast ausschließlich firmeninterne Finanzauskünfte".

Auf der Messe in Saratoga Springs steht Dan Fangboner vor einem Tisch voller Gewehre und schwärmt von Deutschland. Er tippt auf sein nacktes Handgelenk und sagt: "Walther, Heckler & Koch: Das sind Namen wie Rolex." Neben ihm baut die National Rifle Association ihren Stand auf.

© SZ vom 05.12.2013/jab

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