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Hausfinanzierung:403 000 Euro pro Immobilie

Baubranche mit starkem Halbjahr

Steigende Preise für Baugrund wie auch die Handwerker schrecken nur wenige. Denn derzeit sind die Kredite oft günstig zu haben.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Hohe Preise, aber niedrige Zinsen lassen den Markt für Baukredite wachsen.

MünchenImmobilienpreise steigen, die Zinsen auf Geldanlagen gehen gegen Null. Das macht sich auch im deutschen Baufinanzierungssektor bemerkbar: Vergangenes Jahr ist das Gesamtvolumen der privaten Immobilienkredite auf 262 Milliarden Euro geklettert. Das ist ein Anstieg um rund acht Prozent im Vergleich zu 2018, wie eine aktuelle Auswertung der Deutschen Bundesbank zeigt.

Von der Entwicklung profitieren die Unternehmen in der Baufinanzierungsbranche. Dazu gehört auch die Interhyp Gruppe. Die zur ING-Group gehörige Firma mit Sitz in München vermittelt private Baukredite - und verzeichnet für das vergangene Jahr einem Gewinn von 84 Millionen Euro. Im Vergleich zu 2018 ist das ein Zuwachs um knapp 14 Prozent. Parallel ist das Finanzierungsvolumen des Unternehmens um zwölf Prozent auf insgesamt 25 Milliarden Euro angestiegen.

Damit laufen etwa neun Prozent der privaten Baufinanzierungen in Deutschland über die Interhyp Gruppe. "Unser gestiegenes Finanzierungsvolumen führen wir auch auf die erhöhten Immobilienpreise zurück", sagt Jörg Utecht, Vorstand der Interhyp Gruppe, die mit 500 Banken zusammenarbeitet. Laut diesem Vermittler ist der Preis, den Kunden für eine Immobilie bezahlten, im vergangenen Jahr von 354 000 auf 403 000 Euro geklettert. "Dass der Preisanstieg bei Immobilien Investoren nicht verschreckt, liegt womöglich auch an den aktuell niedrigen Zinsen", vermutet Utecht.

Wer eine "einwandfreie Einkommens- und Vermögenssituation" habe, könne durchaus mit Zinsen von unter einem Prozent rechnen, heißt es bei Interhyp. Eine zehnjährige Finanzierung einer Immobilie zum Preis von 250 000 Euro könne aktuell zum Beispiel für 0,66 Prozent Zinsen abgeschlossen werden. Allerdings fordert Interhyp in diesem Fall eine jährliche Kredittilgung von drei Prozent, pro Monat sind 610 Euro fällig. Nach zehn Jahren besteht dann noch eine Restschuld in Höhe von 138 000 Euro. Zu welchen Konditionen ein Hausbauer diese verbleibende Hypothek dann abzahlen kann - das ist heute völlig unklar, und ein großes Risiko, das durch den aktuell niedrigen Zins verschleiert wird.

Die Interhyp Gruppe rechnet in näherer Zukunft nicht mit sinkenden Immobilienpreisen. "So lange es eine Unterversorgung mit Wohnraum gibt und die Infrastruktur zu bewohnbaren Gebieten schlecht erschlossen ist, bleiben die hohen Preise bestehen", prognostiziert Utecht. Eine Vergünstigung von Immobilien erwarte er erst, wenn in Deutschland mehr Wohngebiete erschlossen seien. Bis dahin will Interhyp expandieren: Für 2020 plant das Unternehmen elf weitere Filialen in Deutschland. Auch werde das digitale Angebot von Baufinanzierungen zukünftig ausgebaut.

© SZ vom 15.02.2020
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