Hauptstadtflughafen BER Mit der Katastrophe leben

Auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens BER müssen Wände wieder eingerissen werden, weil sie falsch gebaut wurden.

(Foto: dpa)

Der Hauptstadtflughafen BER ist ein Pannen-Projekt. Doch es braucht jetzt weder aufgeregte Diskussionen noch große Lösungen. Und erst recht keinen Abbruch.

Kommentar von Jens Schneider

Es ist die nächste Einladung, ätzende Berlin-Witze zu machen. Auf der Baustelle des Hauptstadtflughafens müssen Wände wieder eingerissen werden, weil sie falsch gebaut wurden. Das hat, mehr so am Rande, der Flughafen-Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld einem Landtags-Ausschuss in Potsdam offenbart.

Dufte, immerhin ein Anfang! So spotten nun jene, die längst schon meinen, dass die ewige Baustelle in Schönefeld ohnehin nicht zu retten sei und deshalb den Abriss und am besten einen Neuanfang woanders fordern. Bei manchen ist das ein Reflex, einfach Lust an der Provokation. Ein ziemlich billiger Spaß, wenn man nicht in der Verantwortung steht.

Andere meinen es vielleicht ernst, auch wenn sie wissen sollten, dass die Sache faktisch sehr teuer würde - weil für einen Neubau neue Genehmigungsverfahren anstehen würden, und diese alles um viele Jahre verzögern und den Bau um weitere Milliarden teurer machen würden. Aber es ist wohl zu verlockend: Mehr als drei Jahre nach dem letzten verschobenen Eröffnungstermin bringt Politikern der Vorschlag, obwohl das bei diesem ausgenudelten Thema verblüffend ist, immerhin eine kurze Schlagzeile.

BER Wird der Berliner Flughafen jemals fertig?
Rätsel der Woche

Wird der Berliner Flughafen jemals fertig?

Die Serie der Pannen reißt nicht ab. In dieser Woche wurde am BER ein Baustopp verhängt. Doch der Aufsichtsrat hat noch immer ein Ziel vor Augen - und sogar ein Datum.   Von Jens Schneider

Nein, es muss nicht alles niedergerissen werden

Dabei ist die Idee nicht neu. Aber angesichts vieler Hiobsbotschaften in den letzten Wochen hat sie gerade wieder Konjunktur. Das macht sie nicht besser. Sie hilft Berlin und dem unglückseligen Projekt so wenig wie zuvor die Nonchalance half, mit der Verantwortliche wie der langjährige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, als Aufsichtsratschef behaupteten, alles im Griff zu haben. Nein, es muss nicht alles niedergerissen werden, und man hatte früher nicht alles im Griff. Der Gestus hier wie dort drückt aus, dass man seine Sache nicht ernst nimmt, nur ein Spiel treibt. Man hat ein wenig Spaß am Berlin-Bashing oder bemüht sich umgekehrt darum, in einer peinlichen Lage noch gut auszusehen.

Beides kann nicht der Weg sein, mit Fehlern und Pannen umzugehen. Weil schlicht die Schlagzeilen und der gute Eindruck nebensächlich sind, die Hauptsache aber ein Flughafen für die Hauptstadt ist, der dringend gebraucht wird. Wowereits Nachfolger Michael Müller bezeichnete die BER-Baustelle schon vor Monaten treffend als Katastrophe, die man in den Griff bekommen müsse.

Genau darum geht es: Man muss mit dem Irrsinn dieser Baustelle leben. Der Irrsinn, das waren die Fehlplanungen der frühen Jahre seit dem Baustart und die ständigen Nachbesserungen, weil der Flughafen größer werden sollte. Das waren die teilweise bizarren Personalentscheidungen der Vergangenheit, und das waren auch die ständigen Versuche, Fehler kleinzureden. Herausgekommen ist bis heute ein sehr ansehnlicher, äußerlich fast fertiger, aber eben nicht genehmigungsfähiger Flughafen: einstweilen hübsch, aber unbrauchbar.