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Haschisch-Historie:Schon arabische Krieger berauschten sich damit

Les fumeuses de Haschich Femmes reunies dans une chambre et savourant les effets du haschisch Pein

Die Haschisch-Raucherinnen von Gaetano Previati (1852 - 1920)

(Foto: imago/Leemage)

Woher kommt eigentlich Haschisch? Eine kleine Kulturgeschichte des Kiffens.

Eines der größeren Rätsel der arabischen Geschichte betrifft eine blutrünstige Guerilla, die ein Faible ausgerechnet für das Kiffen gepflegt haben soll. Der Zeitpunkt: die erste Jahrtausendwende. Es toben die frühen Erbfolgekriege des Islam. Gerade hat sich die arabische Welt gespalten in Sunniten und Schiiten.

Da taucht eine dritte, sehr viel kleinere Gruppe auf, ein rotes Tuch für die Etablierten, brutal entschlossen und zu jeder List bereit: die Nizari. Ihr Anführer, Hasan y Sabah, steht an einem Herbsttag des Jahres 1090 mit dreihundert seiner Gefolgsleute vor den Toren der Festung Alamut, "Adlernest", die als uneinnehmbar gilt. Der Guerillero, so geht die Sage, hat die Frechheit, die Bewohner zur friedlichen Kapitulation aufzufordern. Man lacht ihn aus.

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Drei Tage später hat er die Burg eingenommen. Zwei Jahre später gehören ihm noch Dutzende weitere Burgen zwischen Täbris und Damaskus, sein Ruf ist nun der eines Supersoldaten, die Legenden und Schauermärchen über ihn schießen ins Kraut. Seine Nizari-Kämpfer werden von ihren Gegnern verächtlich "Haschisch-Esser" genannt, Haschischyyin. Denn angeblich berauschen sie sich vor jeder Schlacht mit Cannabis. In europäische Geschichtsbücher gehen sie als "Assassinen" ein. In den romanischen Sprachen stammt von dort das Wort für Mord.

Haschisch in kleinen Kuchen, mit Feigen, Ingwer und Honig

Cannabisprodukte waren schon früh ein wichtiges Handelsgut des Orients. Mekka, die Kaufmannsstadt im heutigen Saudi-Arabien, bildete den Kreuzungspunkt zweier uralter Handelsstraßen. Von Ost nach West kreuzte die "Gewürzstraße", über die aus Indien via Muskat - die heutige Hauptstadt des Sultanats Oman - Parfums, Farben, Elfenbein und spätestens seit dem zweiten Jahrhundert nach Christus auch Haschisch kamen.

Haschisch heißt Gras auf Arabisch. Geraucht wurde es damals nicht. Die geläufigste Zubereitungsform war stattdessen ein kleiner Kuchen, der Madschun, gebacken aus Hanf-Blütenständen, feingehackten Datteln, getrockneten Feigen, Ingwer, Honig und Zimt.

Anders als Alkohol, das Ritualgetränk der Christen und Juden, wurde Cannabis unter den muslimischen Herrschern, die vom siebten Jahrhundert an die Stämme einten, nicht verboten. Es ließen sich gute Geschäfte damit machen; in Jemen etwa gedieh der Hanf gut. In verarbeiteter Form war er kostbar und leicht zu transportieren. Der als "Weihrauchstraße" bekannte Handelsweg in nord-südlicher Richtung verlief durch Mekka bis nach Europa.

Aber stimmt es, dass Haschisch für die Nizari-Kämpfer ein Aufputschmittel war? Die Legende von den "Assassinen" klingt heute umso sonderbarer, als die arabische Dichtung schon damals reich war an Spott über schläfrig-entspannte Cannabis-Konsumenten.

Schon die Witz-Enzyklopädie "Verstreute Perlen" aus dem 11. Jahrhundert kennt die Erzählung vom Haschisch-Liebhaber, der zehn Esel hat. Beim Reiten zählt er sie durch. Er kommt auf die Zahl Neun. Erschrocken steigt er ab von seinem Reittier und zählt erneut. Da kommt er auf zehn. Also sagt er: Lieber gehe ich zu Fuß und besitze zehn, als dass ich reite und nur neun besitze.