Hartz-IV:Wie Jobcenter Arbeitslose erreichen wollen

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Hartz-IV: Arbeitsvermittler laden Empfänger der Grundsicherung seit Kurzem wieder zum persönlichen Gespräch im Jobcenter.

Arbeitsvermittler laden Empfänger der Grundsicherung seit Kurzem wieder zum persönlichen Gespräch im Jobcenter.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)

Empfänger der Grundsicherung versäumen mehr Termine im Jobcenter als früher. Nun versuchen Arbeitsvermittler, die Menschen anders zu erreichen - etwa im Café.

Von Roland Preuß

Auch für Arbeitslose hat das Ende des Home-Office Folgen. In den vergangenen zwei Pandemie-Jahren galten für Hartz-IV-Bezieher andere Regeln. Die Formulare wurden kürzer, um leichter an das Geld zu kommen, Vermögen und die Kosten für die Wohnung spielten erst mal keine Rolle. Und während Beschäftigte nicht ins Büro oder in den Laden kommen sollten, mussten die Empfänger der sogenannten Grundsicherung kaum mehr zu Terminen im Jobcenter erscheinen. Ansteckungsgefahr. Berater und "Kunden", wie die Hartz-IV-Bezieher offiziell heißen, sprachen per Telefon oder Videoschalte.

Seit gut drei Wochen laden die Arbeitsvermittler nun wieder regelmäßig zum persönlichen Gespräch. Berater und Kunde sitzen dann in einem der Jobcenter-Büros, mitunter steht eine Glasscheibe dazwischen, und sprechen über Bewerbungen, Weiterbildung, Jobangebote. Aber: Auffällig viele Hilfebezieher tauchen nicht auf. "Wir stellen insgesamt merklich mehr Terminversäumnisse unserer Kunden fest als vor der Pandemie", sagt Stefan Graaf. Er ist Leiter des Jobcenters in Aachen und Sprecher des "Bundesnetzwerks Jobcenter", in dem sich die Behördenleiter über ihre Erfahrungen austauschen. Die gleiche Entwicklung stellen auch viele andere Jobcenter fest.

Politische Brisanz gewinnt der Befund dadurch, dass in Berlin gerade hitzig über die weitgehende Abschaffung der Sanktionen gegen Hartz-IV-Bezieher diskutiert wird, die Termine versäumen oder andere behördlich auferlegte Pflichten vernachlässigen. Soll man lockern, während jetzt schon die Disziplin nachlässt?

Psychisch Kranke sollte man nicht bestrafen, sagt der Jobcenter-Chef

Die Menschen seien persönliche Termine aus den vergangenen zwei Jahren weniger gewohnt, sagt Graaf. "Das kann zur Folge haben, dass Kunden unsere Angebote und Regeln weniger ernst nehmen." Doch die Entwicklung habe offenbar viele Ursachen. "Es haben auch die psychischen Erkrankungen zugenommen." Was also tun, um mit den Menschen wieder ins Gespräch zu kommen? Die Jobcenter können schon beim ersten Fernbleiben das Geld kürzen, noch jedenfalls. "Sanktionen mit Augenmaß sind ein sinnvoller Baustein, um die Menschen wieder zum persönlichen Gespräch zu bewegen", sagt Graaf. Mit Augenmaß heißt für ihn: Psychisch Kranke sollte man nicht bestrafen.

Gerade bei jungen Leuten unter 25 Jahren sei es schwierig, sagt Graaf. Viele gingen nicht mehr ans Telefon. Oft fahren seine Mitarbeiter dann raus zu den Hartz-IV-Beziehern. Allerdings: "Selbst bei Hausbesuchen öffnen einige die Tür nicht."

Martin Greiner, der Leiter des Jobcenters in Wismar, versucht es nun mit Treffen außerhalb der Behörde. Die Berater sprechen mit den Hilfe-Beziehern im Café oder im Bürgerhaus des Heimatortes. Manche Kunden hätten immer noch Angst vor einer Corona-Ansteckung, andere spürten Beklemmung im Jobcenter, sagt Greiner. Nun können die Gespräche auch stattfinden, während beide durch den Park spazieren. Hauptsache, man sieht sich wieder.

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