Hartmut Mehdorn soll Air Berlin retten Mehdorn und das Fliegen - das passt

Mehdorn und das Fliegen - für diejenigen Beobachter, die nur an die vergangenen Jahre denken, klingt das nach einer eigenartigen Konstellation. War er als Bahnchef nicht so etwas wie ein natürlicher Gegenspieler von Air Berlin? Buhlten die beiden Unternehmen nicht letztlich um dieselben Kunden?

Das stimmt, doch tatsächlich ist es für Mehdorn eine Rückkehr zu seinen Anfängen, manche werten es gar als die Erfüllung eines Traumes. "Ich wollte Pilot werden, ich war früh vom Fliegen fasziniert", sagte Mehdorn einmal. Als Kind sei er in seiner Heimatstadt Berlin oft zum Flughafen Tegel geradelt, um Starts und Landungen zu beobachten.

Und nach dem Abschluss seines Studiums begann Mehdorn nicht direkt als Bahnchef, sondern als Planungsingenieur bei den Vereinigten Flugtechnischen Werken in Bremen. Dort arbeitete er sich hoch, war später unter anderem Produktionsvorstand bei Airbus in Toulouse, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Airbus GmbH und Vorstandsmitglied der Deutschen Aerospace AG (Dasa) - einer Vorläufergesellschaft des heutigen EADS-Luftfahrtkonzerns.

Erst 1995 endete die Zeit des bekennenden Frankophilen in der Luft- und Raumfahrtindustrie fürs Erste. Über Stationen bei der Heidelberger Druckmaschinen AG und RWE kam er 1999 zur Bahn, wo er zehn Jahre blieb.

In dieser Zeit wurde er einer der bekanntesten deutschen Manager - aber auch einer der umstrittensten. Die Zahlen des Konzerns trieb er zwar nach oben, wegen seines Sparkurses und seines Stils geriet er häufig in die Kritik - was ihm ganz gut in den Kram passte. Nicht umsonst trägt seine in Interviewform abgedruckte Biographie den Titel Diplomat wollte ich nie werden. Die breite Öffentlichkeit hat ihn vor allem noch von den Tarifstreitigkeiten mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) in Erinnerung: Damals lieferten sich Mehdorn und sein GDL-Gegenspieler Manfred Schnell einen monatelangen Machtkampf. Im März 2009 trat Mehdorn wegen der Vorwürfe im Zuge der Datenaffäre zurück.

Aber des Öfteren in diesen zehn Jahren hatte er die Fluggesellschaften als Vorbild für die Bahn angesehen. Zum Beispiel entwickelte er einen Plan, dort ein Preissystem analog zur Luftfahrt zu schaffen - doch damit scheiterte er.

Schon kurze Zeit nach seinem Ausstieg hatte Mehdorn übrigens ein neues Amt inne: einen Verwaltungsratsposten bei Air Berlin. Der Weg zu seinem neuen Übergangsjob war also nicht mehr weit.

Mit Agenturmaterial von dapd und Reuters.