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Hartmut Mehdorn:Schmieren schwerer gemacht

"Wir handeln entschlossen." - Wie der Bahnchef Korruption bekämpft.

Im vergangenen Dezember schlug die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main zu. Beim Ausbau des dortigen Fernbahnhofs fielen deutlich überhöhte Abrechnungen und andere Unregelmäßigkeiten auf. Ein leitender Bauüberwacher der Deutschen Bahn (DB) und ein weiterer Mitarbeiter gerieten wegen Korruptionsverdacht in das Visier der Ermittler.

Die DB scheute sich nicht, diesen und auch andere Bestechungsfälle publik zu machen. Dahinter steckt eine klare Strategie: "Wir handeln entschlossen gegen Korruption", sagt Bahnchef Hartmut Mehdorn. Sein Unternehmen gehe konsequent gegen Bestechlichkeit und strafbare Vorteilsnahme vor. Korruption sei schließlich weder ein Kavaliersdelikt noch ein Akquisitionsinstrument.

Die weltweit tätige Antikorruptionsorganisation Transparency International lobt das Engagement der Deutschen Bahn. "Das ist vorbildlich", sagt der Präsident von Transparency Deutschland, Hansjörg Elshorst. Tatsächlich hat Mehdorn sichtbare strukturelle Hürden gegen das Schmieren errichtet - was die jetzigen Korruptionsermittlungen umso erstaunlicher macht. So gibt es bei dem Transportkonzern, der jedes Jahr für viele Milliarden Euro Bauleistungen bestellt, umfassende Anti-Korruptionsschulungen.

Zudem hat die DB mit der Bauindustrie einen Integritätspakt abgeschlossen. Die Bahn als Auftraggeber und die Anbieter verpflichten sich bei Großprojekten vorab, weder zu korrumpieren noch zu schmieren. Wer dagegen verstößt, muss happige Konventionalstrafen zahlen. Sünder kommen auf eine schwarze Liste, Bahnmitarbeiter werden versetzt, im Extremfall auch gekündigt.

Besonders gelobt wird die Deutsche Bahn von Transparency jedoch wegen ihrer beiden Ombudsmänner, die den Kampf gegen die Korruption vorantreiben sollen. Zwei externe Rechtsanwälte, der eine mit Sitz in Frankfurt/Main, der andere in Berlin, sind die Anlaufstelle für alle Mitarbeiter der Bahn oder deren Geschäftspartner, die einen Korruptionsverdacht haben. Mit Erfolg: Seit dem Jahr 2000 hat die Bahn 364 Gerichtsverfahren wegen Korruption einleiten können. "Mehr als zwölf Millionen Euro sind uns dadurch zurückgeflossen", sagte eine Bahnsprecherin. Und was noch erfreulicher ist: Die Schmiergeld- und Bestechungsfälle seien rückläufig.

"Unabhängige Ansprechpartner wie die Rechtsanwälte helfen sehr, um Bestechung aufzudecken", lobt Elshorst. Die Bahn habe hier in Deutschland eine Vorreiterrolle übernommen. Der Transparency-Präsident wünscht sich, dass weitere Unternehmen und Behörden dem Beispiel folgen. Elshorst hat aber auch Ex-Abgeordnete und Minister im Blick. Anschlussjobs in der Wirtschaft, die mit der einstigen parlamentarischen Arbeit zu tun hätten, seien überaus problematisch.