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Britisches Königshaus:Abschied von der Firma

Harry And Meghan Redefine Their Royal Role

Noch werden Meghan und Harry auf allerlei Souvenirs vermarktet.

(Foto: Getty Images)
  • Harry und Meghan wollen finanziell unabhängig von der britischen Königsfamilie werden.
  • Doch das wird kompliziert, schließlich funktioniert das Königshaus wie eine große Firma mit Einnahmequellen von Steuergeldern bis Souvenirverkäufen.
  • Ein weiteres Problem könnte die Frage werden, wie und wo das Ehepaar künftig Steuern zahlen muss.

Streit kommt in den besten Familienunternehmen vor. Die Firma, wie Prinz Philip das britische Königshaus nennt, ist da wahrlich keine Ausnahme. Im Lauf der Geschichte hat die Krone immer wieder um ihren Marktwert kämpfen müssen. Sie hatte ihre Dienstleistungen dem Zeitgeist anzupassen und musste stets darauf achten, das zu wahren, was man heute Corporate Identity nennt. Nun ist wieder ein Zeitpunkt gekommen, an dem sich die Zukunft der Firma entscheidet. Die Ankündigung von Prinz Harry und Herzogin Meghan, künftig nur noch als Teilzeit-Royals tätig zu sein, hat den Palast erschüttert. Seitdem laufen Verhandlungen zwischen dem Königshaus und der britischen Regierung. Es geht dabei nicht nur um Titel- und Protokollfragen, sondern vor allem auch ums Geld.

Harry und Meghan wollen künftig zwar "finanziell unabhängig" sein, aber das Königshaus weiter repräsentieren. Die Queen hat dem Paar in einer Erklärung grundsätzlich ihren Segen gegeben, alles weitere aber geschickt offen gelassen. Es kommt nun darauf an, ob es dem Palast gelingt, eine neue Rolle zu entwerfen, die auch künftigen Generationen offensteht. Im Idealfall gibt es eine sogenannte königliche Blaupause für alle jene, die keine Aussicht auf die Thronfolge haben und deshalb selbst Geld verdienen wollen. Dabei muss die Firma eine möglichst klare Grenze zwischen royalen Pflichten und privaten Geschäften ziehen.

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Einfach wird das nicht, denn diese Grenze ist im Fall von Harry und Meghan fließend. Der Duke und die Duchess of Sussex verdanken ihre Popularität der Krone. Auch ihre eigene Marke Sussex Royal hätten sie nicht ohne Harrys Abstammung. Insofern hat die königliche Firma bereits das Fundament für all die Geschäftsideen gelegt, die da kommen mögen. Eine Art Vorgeschmack auf das, was den beiden vorschweben dürfte, gibt die Registrierung der Trademark Sussex Royal. Seit Juni sind unter dieser Marke mehr als 100 Produkte zu haben, darunter Socken, Pyjamas und Kapuzenpullis. Aber auch Beratungsdienstleistungen sowie Gesundheits- und Wellness-Training. Die Financial Times spekuliert, Sussex Royal könnte zu "einer vornehmen, königlichen Version von Goop" werden, der Lifestyle-Website von Hollywood-Schauspielerin Gwyneth Paltrow.

Meghan Markle benannte ihre Lifestyle-Website The Tig nach ihrem Lieblingswein

Meghan hat damit schon Erfahrung. Bevor sie Harry heiratete, betrieb sie eine kommerzielle Internetseite. Auf The Tig, benannt nach ihrem Lieblingswein Tignanello, führte sie Interviews mit berühmten Freunden, empfahl Urlaubsziele und gutes Essen. Wer heute bei The Tig vorbeischaut, findet nur noch ein paar Fotos und Zeilen von Meghan Markle. Ein Jahr vor der Hochzeit mit Harry sagte sie "Goodbye" zu ihrem "Projekt aus Leidenschaft". Das musste sie auch, denn als Mitglied der königlichen Familie darf sie kein eigenes Geld verdienen. Genau das möchten Harry und Meghan nun ändern. Wie es aussieht, wollen sie aus Sussex Royal ein lukratives privates Business machen.

Glaubt man langjährigen Königshaus-Beobachtern, sehen die beiden vor allem ehemalige Präsidenten und Filmstars als Vorbilder. Als das Role Model gelten Barack und Michelle Obama. Nach ihrem Leben im Weißen Haus schlossen die beiden einen 65-Millionen-Dollar-Deal mit dem Buchverlag Penguin Random House und einen Vertrag mit Netflix, um Filme zu produzieren. Auch Prinz Harry hat bereits ein Fernsehprojekt in Aussicht: Zusammen mit Apple TV und der Talkshow-Queen Oprah Winfrey arbeitet er an einer Serie über Gesundheit.

Inwieweit der Palast künftig ein Mitspracherecht über Vorhaben wie diese bekommt, gehört zu den Knackpunkten der Verhandlungen. Mit dem Wunsch nach finanzieller Freiheit geht aber auch der Verlust alter Privilegien einher. Müssen Harry und Meghan für ihr Haus im Park von Schloss Windsor also künftig Miete zahlen? Und in Frogmore Cottage haben sie auch einen Hausmeister, zwei persönliche Assistenten, eine Nanny und zwei weitere Mitarbeiter, die nicht kostenlos dort arbeiten. Hinzu kommen der Polizeischutz für Harry, Meghan und ihren Sohn Archie. Wenn die Familie, wie angekündigt, auch in Nordamerika leben will, dürften die Kosten für die Wahrung ihrer Sicherheit deutlich steigen. Ob dafür weiter Scotland Yard aufkommen soll, ist bislang offen.

Harry und Meghan legen Wert darauf, dass sie für ihre Privatreisen niemals Geld der britischen Steuerzahler bekommen haben. Für offizielle Auftritte im Namen der Krone wird aber wohl weiter die Allgemeinheit zahlen müssen. Als Harry und Meghan im Herbst 2018 Australien, Neuseeland, Tonga und Fidschi besuchten, kamen Reisekosten von etwa 81 000 Pfund zusammen. Günstiger, wenn auch nicht gerade billig, war Harrys Ausflug zu einem Training der königlichen Marine in Norwegen; Kostenpunkt: fast 23 000 Pfund. Und als Meghan die Queen im Zug nach Chesire begleitete, schlug dies mit beinahe 30 000 Pfund zu Buche.

Viele Touristen kommen auch wegen des Königshauses nach London

Die Monarchie kostet die britische Staatskasse jährlich 82 Millionen Pfund. So viel Geld fließt in den sogenannten Sovereign Grant. Doch die königliche Familie erwirtschaftet mit ihren Land- und Immobilienbesitztümern noch zusätzliches Einkommen, das in der Familie verteilt wird. So erhalten Prinz Harry und sein Bruder William pro Jahr etwa fünf Millionen Pfund von ihrem Vater Charles für offizielle Verpflichtungen. Allein mit dem Herzogtum Cornwall erwirtschaftete der Prince of Wales im Geschäftsjahr 2017/18 gut 21 Millionen Pfund - und zwar steuerfrei.

Das britische Königshaus ist seit jeher eine Geldmaschine. Laut einem Bericht der Gutachterfirma Brand Finance trug die Monarchie im Jahr 2017 insgesamt 1,77 Milliarden Pfund zur britischen Wirtschaftskraft bei. So kommen etwa viele London-Touristen auch wegen des Königshauses in die britische Hauptstadt. Dem Plus stehen laut Bericht Kosten von 293 Millionen Pfund gegenüber. Sprich: Pro Jahr müsse jeder Brite 4,50 Pfund für die Monarchie aufwenden. Insgesamt schätzen die Gutachter den Wert des Königshauses auf 67,5 Milliarden Pfund. Der Bericht zog ein positives Fazit: "Gerade in Zeiten des Brexit kann sich Großbritannien auf die königliche Diplomatie verlassen, um Handelsbeziehungen mit dem Commonwealth und dem Rest der Welt zu erleichtern."

Im Fall von Harry und Meghan verhandelt das Königshaus nun auch mit dem Commonwealth-Mitglied Kanada. Die beiden wollen dort künftig einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Sollten es mehr als 183 Tage im Jahr sein, müssten sie ihre Einkommensteuern künftig dort zahlen.

© SZ vom 17.01.2020/vd
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