Harald Glööckler Frauen wie Cola-Flaschen

Er ist der bekannteste TV-Verkäufer, aber nicht der einzige. Zum Jahresende hört er allerdings auf.

Von David Denk

Diese Auszeichnung bringt sein Lebenswerk auf den Punkt: Bei einer Miss-Wahl für Frauen ab Kleidergröße 42 wurde Harald Glööckler zum "Kurvenbotschafter 2015" ernannt - ein überfälliger Ehrentitel, steht der Modedesigner und Unternehmer doch für die Demokratisierung des Glamours wie Ikea für die Demokratisierung von Möbeldesign. Glööcklers Mode ist so erschwinglich wie figurschmeichelnd. "Für mich ist ein Frauenkörper wie eine Cola-Flasche geformt und nicht wie ein Baumstamm", sagte Glööckler einmal. Sein märchenhaftes Credo: "Wie eine Prinzessin" solle sich jede Frau in seinen Entwürfen fühlen, die de facto nur noch von ihm abgenommen werden, da Glööckler, ein großer Fan des Lizenzgenies Pierre Cardin, seine Produkte nicht selber herstellt, sondern nur die Markenrechte verkauft.

Damit bei seiner zumeist reifen Kundschaft Schwellenangst gar nicht erst aufkommen kann, hat Glööckler, der als Freund von Ornament und Überfluss seinem bürgerlichen Namen einen zweiten Umlaut spendiert hat, früh auf Teleshopping gesetzt und ist - zuerst bei HSE24, seit 2011 beim Konkurrenten QVC Deutschland unter Vertrag - zum wohl bekanntesten Protagonisten der hiesigen Branche geworden. Auch Auftritte im Ausland (Großbritannien, Japan) und in anderen TV-Formaten (Let's Dance, Glööckler, Glanz und Gloria) trugen zur Markenbildung bei. Nach elf Jahren allerdings, hat Glööckler angekündigt, zieht er sich zum Jahresende aus dem TV-Verkaufsgeschäft zurück. "Man muss wissen, wann es Zeit ist, neue Wege zu gehen", kommentierte der selbsternannte "Business-Visionär", unter dessen Namen auch Wohnaccessoires, Tapeten und Pralinen auf dem Markt sind, die Entscheidung. Ob er wirklich aus freien Stücken aufhört, ist unklar. Doch Glööckler ist auf diese Absatzmöglichkeit ganz offenbar nicht mehr angewiesen.

Verkaufsshows bieten die Möglichkeit, bekannt zu werden. Und es auch zu bleiben

Die Marktmacht von Teleshopping indes ist ungebrochen und spiegelt sich darin, dass in vielen der fast 30 internationalen Ablegern der japanischen Unterhaltungsshow Money Tigers mindestens ein Investor in der Jury sitzt, der seine Produkte via Fernsehen vertreibt. Im Vox-Format Die Höhle der Löwen ist es die Kosmetik-, Mode- und Schmuck-Expertin Judith Williams von HSE 24, die Jungunternehmer fördert; in Shark Tank (USA) die "Queen of QVC" Lori Greiner. Das Verkaufstalent der auf Haushaltsgegenstände spezialisierten Tochter eines Immobilienentwicklers und einer Psychologin ist legendär: Alleine am 30. Juli 2014 gelang ihr das Kunststück, in ihrer Show Clever & Unique Creations by Lori Greiner mehr als zwei Millionen Smiley-Schwämme der Marke Scrub Daddy abzusetzen, in die sie bei Shark Tank investiert hatte und die mit mehr als zehn Millionen verkauften Exemplaren und Einnahmen in Höhe von über 50 Millionen US-Dollar das erfolgreichste Produkt in der Geschichte der Show sind.

Doch Teleshopping bietet nicht nur die Möglichkeit, bekannt zu werden, sondern auch bekannt zu bleiben, die eigene Restpopularität zu versilbern: So präsentiert der Modedesigner und Ex-Germany's Next Topmodel-Juror Thomas Rath seit 2014 eine eigene Kollektion bei QVC. Und Walter Freiwald, bekannt geworden als Stimme der RTL-Rateshow Der Preis ist heiß, moderierte danach jahrelang bei QVC, RTL Shop und Pearl.tv, bevor er mit seinem bizarren Auftritt im RTL-Dschungelcamp traurige Berühmtheit erlangte.