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Nahaufnahme:Kapitäns-Enkelin an Bord

"Ich möchte immer gern wissen, wie Dinge funktionieren, ich blicke gern in den Maschinenraum", sagt Jenny Gruner.

(Foto: Hapag Lloyd AG)

Jenny Gruner digitalisiert Hapag-Lloyd. In der IT ist sie eine von wenigen Frauen.

Von Kathrin Werner

In der Wohnung ihrer Großeltern gab es viel zu entdecken, als Jenny Gruner ein kleines Kind war. Dinge, die sie nicht anfassen durfte: Blumenvasen, Essstäbchen, Wandteppiche, und auch im Regal allerlei Mitbringsel ihres Großvaters aus der ganzen Welt - oder zumindest aus Ländern wie Kuba oder Brasilien, die er damals ansteuern durfte als Schiffskapitän in der DDR. "Das hat meine Reiselust und Neugier geschürt", erzählt Gruner.

Die Welt der Schifffahrt hat sich verändert seit den Zeiten ihres Großvaters. Heute haben die Seeleute kaum Zeit, in den Häfen von Bord zu gehen und Souvenirs einzukaufen. So wie die Weltmärkte, die die Frachter am Laufen halten, ist die Schifffahrt schneller und effizienter geworden. Und die Kapitäns-Enkelin Jenny Gruner trägt ihren Teil dazu bei. Die 42-Jährige arbeitet bei der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd daran, die Schifffahrt zu digitalisieren. Genauer Titel: Director Digital Marketing.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass jeder, der einen Container zum Beispiel von Hamburg nach Singapur schicken wollte, das per Telefon oder Fax anfragen musste und dann irgendwann später eine Antwort mit einem Preisvorschlag bekam. Gruner arbeitet an einem Programm auf der Website, mit dem sich Kunden in Echtzeit für verschiedene Containertypen ein Angebot einholen können. Gruner ist dafür verantwortlich, es den Kunden in 144 Ländern zu erklären. Im vergangenen Jahr wurden schon mehr als elf Prozent der von Hapag verschifften Container über dieses Programm gebucht. Es ist eine kleine Revolution für ein Traditionsunternehmen, das sich mit großen, schweren Kisten auf großen, schweren Frachtern auskennt.

Als Frau in der Schifffahrt ist Gruner eine Seltenheit - und in einem technischen Beruf wie ihrem ebenfalls. Nur 17 Prozent der Angestellten, die in Deutschland in der Informationstechnik und Telekommunikation arbeiten, sind Frauen. Gruner beschäftigt sich viel mit dem Thema. "Es gibt noch immer dieses klassische Rollendenken, dass Mädchen nicht gut in Mathe sind und so weiter", sagt sie. "Auch weil Rollenbilder fehlen." Sie ist nun selbst eines und will ihre Stimme nutzen, zum Beispiel um Frauen für Jobs zu empfehlen. Wenn jüngere Kolleginnen sie um Rat fragen, nehme sie sich immer Zeit, sagt sie, "auch wenn mein Kalender pickepacke voll ist. Es ändert sich ja nichts, wenn man die Leute nicht entwickelt". Sie selbst habe auch immer wieder Mentorinnen gehabt, die sie gefördert haben. In dem Team, das sie leitet, achtet sie auf ausgeglichene Geschlechterverhältnisse.

Nach der Schule in Rostock studierte sie erst Biologie, vier Jahre lang, und brach dann ab. "Mir wurde damals klar, dass ich nicht den Rest meines Lebens mit meinen Mikrokulturen im Labor stehen will", sagt sie. "Ich möchte näher mit Menschen arbeiten, etwas verkaufen." Doch ihre Herangehensweise an Probleme ist nach wie vor naturwissenschaftlich geprägt. "Ich möchte immer gern wissen, wie Dinge funktionieren, ich blicke gern in den Maschinenraum." Sie hat dann in Stralsund Wirtschaftswissenschaften studiert, als eine der Besten abgeschlossen und sich "gefühlt wie ein Fisch im Wasser".

Über fehlende Rollenbilder kann Gruner sich nicht beklagen. "Für mich als Kind war es total normal, dass Mädchen auch Technik können", sagt sie. "In der ehemaligen DDR hat man sich viel gegenseitig unterstützt, und auch Frauen haben viele Dinge selbst gemacht." Ihre Mutter ist Bauingenieurin und hat einmal sogar die Gartenlaube ihrer Großmutter gemauert, erzählt Gruner. "Selbst ist die Frau."

© SZ/kö
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