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Hans-Joachim-Martini-Stiftung:Geologen-Stiftung wird abgewickelt

Der Namensgeber entpuppte sich als Nazi, und die Studien der Stiftung kamen ausgerechnet den fördernden Firmen zupass. Nun steht die umstrittene Hans-Joachim-Martini-Stiftung vor dem Aus.

Von Michael Bauchmüller, Berlin

Die umstrittene Hans-Joachim-Martini-Stiftung steht offenbar kurz vor dem Ende. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll die Entscheidung noch im November fallen. Im Stiftungsrat bestehe Einigkeit darüber, sie in dieser Form nicht weiterzuführen.

Die Martini-Stiftung war 1982 von Industrieunternehmen gegründet worden. Sie verschrieb sich der Ehrung "verdienter Mitarbeiter" der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), die als geologischer Dienst der Bundesrepublik fungiert. Dort war sie auch angesiedelt, wenngleich eigenständig. Nach Recherchen von WDR, NDR und SZ wurden aus Mitteln der Stiftung auch Studien finanziert, die etwa den Klimawandel relativierten oder die Tauglichkeit des umstrittenen Endlager-Projekts Gorleben beweisen sollten. Die Erkenntnisse kamen auch einigen fördernden Firmen zupass. Hans-Joachim-Martini war bis zu seinem Tod 1969 Präsident der BGR gewesen. Erst kürzlich waren Dokumente ans Licht gekommen, die ihn als bekennenden Nazi und einstiges SS-Mitglied ausweisen. Auch mit dem Namen will der Stiftungsrat nun nichts mehr zu tun haben.

Unklar ist noch, was mit dem Stiftungsvermögen geschehen soll, das sind immerhin rund 400 000 Euro. Die Satzung verpflichtet die Stiftung darauf, die Mittel für die "Förderung der angewandten Geowissenschaften" zu verwenden. Offenbar ist es aber gar nicht so einfach, die Stiftung aufzulösen. Stattdessen könnte sie nun - unter anderem Namen - in einem Stifterverband aufgehen, etwa dem für die deutsche Wissenschaft, hieß es.

© SZ vom 11.11.2016
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