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Gastronomie:Burgerbrater Hans im Glück steht zum Verkauf

Burgerlokal "Hans im Glück" in München, 2015

Futtern im Birkenwald: Die Burgerkette Hans im Glück versucht die Kunden mit Öko-Ambiente zu überzeugen, wie hier in der Filiale in München.

(Foto: Stephan Rumpf)
  • Die Burgerkette Hans im Glück soll verkauft werden.
  • Es werden Verkaufsgespräche mit den Gründern der Bäckereikette Backwerk geführt.
  • Der Firmengründer von Hans im Glück dementiert jedoch wirtschaftliche Schwierigkeiten und verweist auf starkes Umsatzwachstum.

Das Konzept der Gastronomiekette Hans im Glück lässt sich recht einfach erklären, es lautet: Burger und Birkenwald. In den Filialen der deutschen Kette stehen Dutzende Birkenstämme zwischen den Tischen, und Spötter könnten jetzt anmerken, dass passe ganz gut zur Zielgruppe, denn die bekomme in ihrem hyperurbanen, digitalisierten und effizienzoptimierten Leben ja sonst ohnehin nie einen richtigen Wald zu sehen. Dazu gibt es Burger in allen Varianten, mit Rindfleisch, mit Hähnchen, vegetarisch, vegan, alles, was die Zielgruppe heute eben so erwartet. Klingt wie eine sichere Sache? Ist es offensichtlich aber nicht.

Hans im Glück steht zum Verkauf - weil die wirtschaftliche Lage des Unternehmens mehr als angespannt sei, so berichtete zunächst das Handelsblatt. Der Gründer von Hans im Glück, Thomas Hirschberger, steht in fortgeschrittenen Verkaufsgesprächen mit den Gründern und früheren Eigentümern der Bäckereikette Backwerk, Dirk Schneider und Hans-Christian Limmer, wie das Unternehmen bestätigte. Die beiden wollen Hans im Glück gemeinsam mit Gerd Bühler führen, dem schon bisher zehn Prozent am Unternehmen gehören. Firmengründer Hirschberger dementiert wirtschaftliche Schwierigkeiten und verweist auf starkes Umsatzwachstum. "Nach aktuellen Berechnungen" werde es für 2019 zudem ein "positives operatives Ergebnis" geben.

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Hirschberger verkaufte 2014 sein erstes Unternehmen Sausalitos, eine Kette von Cocktailbars, an einen Finanzinvestor - wohl auch, um sich stärker auf die Expansion von Hans im Glück zu konzentrieren. 2018 stieg Unternehmer Bühler mit 6,5 Millionen Euro bei der Burgerkette ein, sicherte sich zehn Prozent der Firma und ein umfassendes Vorkaufsrecht, das er nun mit den Backwerk-Gründern durchsetzen will. Der Investor Bühler ist zudem der Vater des langjährigen Geschäftsführers von Hans im Glück, Johannes Bühler.

Mittlerweile soll die Stimmung zwischen den Beteiligten schlecht sein, das Handelsblatt schreibt von einem Zerwürfnis zwischen Gründer Hirschberger und Investor Bühler, der sich von der Geschäftsentwicklung enttäuscht zeige. Das Unternehmen dementiert das. Eine schwierige Lage der Firma könnte zudem den Kaufpreis drücken - Hirschberger soll mit deutlich mehr als dem nun kolportierten Erlös von 26,1 Millionen Euro gerechnet haben.

Nicht die einzige junge Kette, die an hochgesteckten Erwartungen zu scheitern droht

Hans im Glück, das schien mal eine echte Erfolgsgeschichte zu sein - doch das Unternehmen ist nicht die einzige junge Kette in der Gastronomiebranche, die an den hochgesteckten Erwartungen zu scheitern droht. Ähnlich erging es Vapiano: Mit frischer, schnell zubereiteter Pasta schien das Unternehmen den Zeitgeist zu treffen und erfuhr zunächst viel Zuspruch. Doch seit ein paar Jahren kämpft Vapiano mit den Zahlen ebenso wie mit einem angeschlagenen Image. Auffällig: Vapiano wie Hans im Glück haben nach ersten Erfolgen sehr rasch, vielleicht zu rasch, expandiert.

Die Systemgastronomie ist in Deutschland stark im Wandel. Neben den Schwierigkeiten großer Akteure wie Hans im Glück, Vapiano oder der ständig von Eigentümerwechseln durchgeschüttelten Imbisskette Nordsee ändern sich auch die Ansprüche der Kunden. Vor allem in den Städten erwarten immer mehr Menschen nicht nur Pasta oder Burger, Grillhähnchen oder Chickenwrap. Sie wollen bei Unternehmen essen, die für Umweltschutz und Nachhaltigkeit, für Tierwohl und soziale Verantwortung stehen - den Burger zum Mitnehmen, das gute Gewissen gratis dazu.

Firmen, die mit Hygieneskandalen und angeblicher Übervorteilung der eigenen Mitarbeiter ihr Image beschädigt haben - wie Vapiano - müssen oft jahrelang kämpfen, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Zudem testet die Branche vegane Fleischalternativen oder Insektenburger. Wie groß der Markt dafür langfristig wirklich ist, bleibt unklar. Trotzdem reizt der Markt viele, oft sehr mutige Investoren. Manche werden sich durchsetzen. Und die anderen? Die werden es anderswo suchen müssen, das Glück.

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