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Hannsheinz Porst ist tot:Marxist und Millionär

Hannsheinz Porst ist nach einem bewegten Leben mit 87 Jahren gestorben. Er machte Photo Porst zu einem der größten Fotohäuser der Welt. Doch mit einem bisher einmaligen sozialistischen Experiment scheiterte er.

Hannsheinz Porst nannte sich selbst "Millionär und Marxist". Von Nürnberg aus baute er den väterlichen Fotohandel zu einem Firmenimperium mit zeitweise mehr als 2000 Filialen aus. Sein sozialistisches Experiment, das Unternehmen Photo-Porst ganz in die Hände der Mitarbeiter zu legen, scheiterte. Er selbst landete wegen landesverräterischer Beziehungen zur DDR im Gefängnis. Am Donnerstag starb Hannsheinz Porst im Alter von 87 Jahren an einem Herzleiden.

Hannsheinz Porst, dpa

Hannsheinz Porst ist tot.

(Foto: Foto: dpa)

Geboren wurde Porst am 8. November 1922 in Nürnberg, drei Jahre nachdem der Vater in der Stadt einen kleinen Fotoladen eröffnet hatte. Dort machte der Junior auch mittlere Reife. "Abitur brauchte ich nicht, weil der Vater auch keines hatte", merkte Porst zu einem 80. Geburtstag an. Vater Hanns hatte es auch so geschafft. Bereits in den 50er Jahren wuchs sein Unternehmen zu einem der größten Fotohäuser der Welt. Grund für den Erfolg des väterlichen Betriebs war laut Porst die grandiose Idee, dass die Kunden lediglich ein Fünftel ihrer zu entwickelnden Fotos anzahlen mussten. Der Rest konnte in bequemen Raten entrichtet werden.

Nach einer Werkzeugmacher-Lehre bei Kodak fand auch Hannsheinz Porst Ende der 30er Jahre in den väterlichen Betrieb. 1960 übernahm er Photo Porst und führte die maschinelle Entwicklung ein. Während zu Vaters Zeiten noch per Hand entwickelt wurde, ging nun alles schneller, die Qualität war besser und der Preis niedriger. Porst rühmte sich später mit den Worten: "Wir waren immer die schnellsten."

So sei es schon in den 60er Jahren möglich gewesen, morgens Bilder abzugeben und am Abend wieder abzuholen. Gleichzeitig baute Porst ein deutschlandweites Netz von Ladengeschäften auf - Ende der 70er Jahre zählte Photo Porst 1200 Vertriebsstellen.

Während sich das Unternehmen erfolgreich entwickelte, kam Porst wiederholt in Konflikt mit dem Gesetz. Zunächst musste er Mitte der 60er Jahre wegen Steuerhinterziehung für einige Wochen ins Gefängnis. Sehr viel aufsehenerregender war jedoch seine Verurteilung wegen landesverräterischer Beziehungen zum Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR im Jahr 1969. Porst sollte zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis, wurde aber 1970 vorzeitig aus der Haft entlassen.

Endlich ein Dialog

Die Geschichte fing damit an, dass ein Vetter von Porst nach dem Krieg aus ideologischer Überzeugung in die DDR zog, der innige Kontakt aber bestehen blieb. In Porst reifte die Ansicht, dass die beiden deutschen Staaten eine falsche Einschätzung voneinander hatten. Er wollte, dass zwischen der Bundesrepublik und der DDR "endlich ein Dialog stattfindet", erinnerte sich Porst 2003 in einem Interview. So kam es, dass er heimlich Mitglied der SED wurde, während er gleichzeitig auch das FDP-Parteibuch führte. Außerdem traf er sich mit Markus Wolf, dem damaligen Chef-Spion der DDR. Allerdings stritt Porst vehement ab, Geheimnisse verraten zu haben: "Ich war nie ein Spion oder ein Landesverräter."

Seine ideologische Nähe zum Sozialismus war kein Geheimnis. Nach seiner Entlassung führte er ein bisher einmaliges System betrieblicher Mitbestimmung ein. De facto überschrieb er sein Firmenimperium den Mitarbeitern. Alle Gewinne wurden unter diesen aufgeteilt, Porst selbst erhielt lediglich ein Gehalt.

Als er sich Ende der 70er ins Privatleben zurückzog, scheiterte das Modell jedoch. Die Mitarbeiter konnten den Konzern nicht vernünftig weiterführen. Porst kehrte daraufhin noch einmal zurück. In der Folge wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Allerdings drängten immer mehr Konkurrenten mit einem eigenen Fotoversand, der Photo-Porst lange ausgezeichnet hatte, auf den Markt. Nach mehreren Eigentümerwechseln meldete die Photo Porst AG 2002 Insolvenz an und trat die Namensrechte an die Ringfoto-Gruppe ab.

Der Vater von vier Kindern lebte bis zuletzt in seinem Haus im mittelfränkischen Artelshofen. Dort widmete sich der Rentner nach dem Rückzug ins Private der Zucht von Rindern und erntete Obst und Gemüse im eigenen Gewächshaus. Auch im hohen Alter unternahm er noch weite Reisen mit seinem Wohnmobil - etwa nach Peking. Hannsheinz Porst schlief am Donnerstag nach einem turbulenten Leben friedlich ein.

© ddp/bay/segi
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