Handy-Tarife Im Dickicht der 1700 Optionen

Wer sich heute mit dem Handy telefonieren will, hat es nicht leicht. Mit mehr als 1700 verschiedenen Tarifen buhlen die Anbieter um Kunden. Geht das nicht auch einfacher?

Von Philipp Mattheis

100 Freiminuten im Monat oder 200, SMS-Paket dazu und wenn, dann 40, 100 oder 150? Ein subventioniertes Handy oder einen Super-Billig-Tarif eines Discount-Anbieters? Homezone oder Partnertarif?

Über 1700 verschiedene Tarife und Optionen gibt es mittlerweile für den Mobiltelefonierer. Wer soll sich da noch auskennen?

Die schlechte Nachricht vorab: niemand. Es gibt weder den perfekten Tarif noch böse Abzocker. Wer den für sich besten Handytarif haben will, muss vor allem: viel rechnen, recherchieren und dann nochmals rechnen.

Doch ein paar grobe Schneisen lassen sich in den Tarifdschungel schon schlagen.

Die Anbieter kann man grob in Gruppen gliedern. Da wären einmal die etablierten Netzbetreiber wie T-Mobile, Vodafone, E-Plus und O2.

Sie bieten in Kombination mit Laufzeitverträgen subventionierte Handys, Service und zahlreiche Filialen. Dafür ist die Tarifauswahl beschränkt und die Kosten fallen höher aus.

Die zweite Gruppe sind die so genannten Servicebetreiber wie zum Beispiel Mobilcom, Debitel oder Talkline. Sie verfügen nicht über eigene Netze, sondern kaufen sich Kapazitäten bei den Netzbetreibern ein.

Die Tarife sind nicht unbedingt günstiger, können aber genauer auf den Endverbraucher zugeschnitten werden, da ein Netzwechsel möglich ist.

Wer zum Beispiel in seiner Wohnung keinen E-Plus-Empfang hat, kann mit dem Tarif eines Service-Providers dieses Problem elegant lösen, indem er seinen Vertrag auf einen anderen Netzbetreiber umstellen lässt.

Mit Aldi telefonieren

Als dritte Gruppe drängten im vergangen Jahr Discount-Anbieter auf dem Markt. Die Angebote von Schlecker, Lidl, Aldi oder Tchibo richten sich in erster Linie an Besitzer von Prepaid-Handys.

Die Tarife sind günstig, enthalten aber auch verschiedene Macken: So sind die Service-Leitungen oft kostenpflichtig - wenn es überhaupt eine gibt.

Außerdem muss der Kunde oft ein nicht subventioniertes Neugerät ohne Vertrag kaufen. Will man die wahren Kosten eines solchen Arrangements wissen, muss man die Anschaffungskosten auf die monatlichen Kosten umrechnen.

Jörn Wolter, Sprecher des unabhängigen Internet-Portals www.handytarife.de, erwartet in nächster Zeit nicht mehr Licht im Tarif-Dschungel: "Wir gehen tendenziell eher davon aus, dass noch mehr Tarife angeboten werden. Unter den immer individuelleren Angeboten leidet natürlich die Transparenz des Marktes, so dass eigene Recherchen zum passenden Tarif unumgänglich werden, um am Ende nicht draufzuzahlen."

Ein geschenktes Handy kann teuer werden

Dem Endkunden, so Jörn Wolter, bleibe letztlich nichts anderes übrig als genau zu rechnen. "Viele sehen nur das Handy für einen Euro und rechnen ab da nicht mehr weiter. Wer einen Vertrag abschließt, sollte sich aber genau ausrechnen, wie viel er durchschnittlich in den nächsten zwei Jahren monatlich bezahlen muss. Oft kann es sich lohnen, für das Handy mehr Geld zu bezahlen, wenn der Tarif dafür günstiger ist."

Ein Beispiel: Angenommen Sie telefonieren durchschnittlich 100 Minuten im Monat und versenden 50 SMS. Bei einem Discount-Anbieter (mit Vertrag) zahlen Sie eine Grundgebühr von 5,95 Euro. Jede telefonierte Minute und jede SMS egal in welches Netz kostet Sie 0,15 Euro. Auf 24 Monate gerechnet bezahlen Sie insgesamt 682,80 Euro ((100 * 0,15) + (50 * 15) + 5,95) * 24). Sie erhalten allerdings kein subventioniertes Handy.

Schließen Sie mit den selben Telefongewohnheiten bei einem Netzbetreiber einen gewöhnlichen Vertrag (ohne Freiminuten etc.) ab, zahlen Sie eine monatliche Grundgebühr von 9,95 Euro. Eine telefonierte Minute kostet Sie durchschnittlich 0,50 Euro, eine SMS 0,19 Euro. In 24 Monaten zahlen Sie so insgesamt die stattliche Summe von 1666,80 Euro.

Zwischen beiden Tarifen besteht eine Differenz von rund 1.000 Euro. Ein nicht subventioniertes Handy kostet dagegen selten mehr als 500 Euro. In diesem Fall würde sich also der Discount-Tarif lohnen.

Bei der Suche nach dem perfekten Tarif empfiehlt es sich, einmal die letzten fünf Handyrechnungen aufzuschlüsseln, um so den eigenen Telefongewohnheiten auf die Spur zu kommen.

Insgesamt aber dürften die Telefonkosten tendenziell eher fallen. In einem internationalen Preisvergleich der Mobilfunkkosten rangiert Deutschland im oberen Bereich. In Ländern wie Österreich oder Großbritannien sind die Kosten weitaus geringer.