Handelsstreit Trump kündigt Gespräch mit Xi an

  • US-Präsident Trump will den festgefahrenen Handelsstreit mit China durch Gespräche mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping lösen.
  • Nach der von US-Seite ausgelösten jüngsten beiderseitigen Eskalation verbreitet Trump nun Optimismus.
  • China zeigt sich offen für Gespräche, betont aber, dass Handelsgespräche keine "Einbahnstraße" seien.

Nach der Eskalation im Handelsstreit mit China rudert US-Präsident Donald Trump wieder etwas zurück. Er hat nach eigenen Angaben noch nicht über eine weitere Verschärfung der Gangart entschieden. Am Rande des Gipfels der großen Industrieländer (G 20) Ende Juni im japanischen Osaka wolle er mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping reden, sagte Trump.

Chinas Außenminister Wang Yi sagte nach Angaben seines Büros, die Unterhändler beider Staaten verfügten über "die Fähigkeit und die Weisheit", auf "vernünftige Forderungen" des jeweils anderen einzugehen und "am Ende eine für beide Seiten vorteilhafte Win-win-Vereinbarung zu erzielen". Die Gespräche zwischen China und den USA seien aber keine "Einbahnstraße". Sie müssten auf der Grundlage der Gleichberechtigung geführt werden.

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Der seit Monaten andauernde Streit hatte sich in den vergangenen Tagen drastisch verschärft. In einem ersten Schritt hatten die USA ihre US-Sonderzölle auf Importe aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar von zehn auf 25 Prozent erhöht. Auch wurde ein zweiter Schritt angekündigt, die Zölle auf Waren im Wert von 325 Milliarden auszuweiten - und damit auf alle Importe aus China. Im Gegenzug kündigte Peking am Montag kurz vor Öffnung der US-Börsen seine Vergeltungsmaßnahmen an. So steigen vom 1. Juni an chinesische Sonderzölle auf US-Waren im Wert von 60 Milliarden US-Dollar auf bis zu 25 Prozent. Die "Anpassung" sei eine "Antwort auf den US-Unilateralismus und Handelsprotektionismus". Zuvor hatte Trump die chinesische Seite noch gewarnt, Vergeltung zu üben.

Von den neuen Zöllen Chinas sind auch amerikanische Agrarprodukte betroffen. Trump kündigte an, den US-Farmern für etwaige Ausfälle unter die Arme greifen zu wollen. Er gab China die Schuld an der Eskalation und warnte Peking vor Konsequenzen. Man sei kurz davor gewesen, ein "großartiges" Abkommen abzuschließen, dann sei China aber abgesprungen.

Die Unsicherheit im Handel zwischen den zwei größten Volkswirtschaften ließ am Dienstag aber auch die asiatischen Börsen fallen. Nach den Verlusten an der Wall Street am Vortag sackte in Japan der Nikkei-225-Index in den ersten 15 Handelsminuten um 1,8 Prozent ab. In Hongkong fiel der Hang Seng um rund zwei Prozent. Auch die Börsen in China lagen klar im Minus.

Offenbar, um die Märkte zu beruhigen, versicherte Trump, dass über die Frage, ob die Sonderzölle auf alle chinesischen Produkte ausgeweitet werden, noch nicht befunden worden sei. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer veröffentlichte ein Papier, in dem er Eingaben von in den USA Betroffenen einfordert. Am 17. Juni soll es zu einer öffentlichen Anhörung kommen. Damit gibt es weiter Zeit für Gespräche.

Die Unsicherheiten durch die Handelsstreitigkeiten mit den USA dämpfen auch die Weltkonjunktur. Die Bundesregierung und führende Wirtschaftsforscher hatten ihre Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr bereits deutlich gesenkt. Das belastet die exportstarke deutsche Wirtschaft. Auch der Streit zwischen den USA und der EU ist weiter nicht beigelegt.

Die deutsche Industrie warnt vor einer Eskalation. "Der anhaltende Konfrontationskurs zwischen den USA und China gefährdet die Weltwirtschaft massiv", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Joachim Lang. Der Handelskonflikt wirke sich umso stärker auf die Weltkonjunktur aus, je länger er dauere. "Unternehmen investieren nicht, wenn unklar ist, ob ihre Geschäfte bald durch Zölle unterbrochen werden." Der Konflikt treffe direkt europäische Unternehmen, die Produktionsstätten in den USA und China haben.

Die Reaktion aus Peking beweise, wie schädlich Zollspiralen für Verbraucher und Unternehmen seien, sagte BDI-Chef Lang. Die schnelle Antwort drohe die kontraproduktive Entwicklung zu beschleunigen. Auch angedrohten US-Zölle auf Fahrzeuge und Fahrzeugteile seien ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft, so Lang. "Eine Eskalation würde US-Verbraucher und US-Wirtschaft sowie die Wirtschaft der engsten Verbündeten der USA treffen."

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