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Handelsstreit:Trump kündigt neue China-Zölle an

Der Handelsstreit eskaliert weiter - und das iPhone könnte in den USA teurer werden.

Gerade wenig Grund zum Schmusen: Xi Jinping und Donald Trump, zu sehen auf einer Hauswand in Mailand, gemalt von dem Straßenkünstler TvBoy.

(Foto: Miguel Medina/AFP)

An den Finanzmärkten war man sich einig, was man von Donald Trumps Ankündigung aus der Nacht halten sollte. Um zeitweise drei Prozent gab der deutsche Aktienindex Dax im Laufe des Freitags nach. Der Preis für Rohöl rutschte an den Weltmärkten schon am Donnerstag heftig nach unten, und auch die amerikanischen Aktienmärkte drehten ins Negative.

Grund für all dies war die jüngste Volte im Handelsstreit der USA mit China. Der US-Präsident kündigte am Donnerstagabend in einer Serie von Twitter-Mitteilungen an, dass er vom 1. September an weitere chinesische Waren im Wert von 300 Milliarden Dollar mit einem Strafzoll von zehn Prozent belegen will. Später fügte er hinzu, dass die neu angekündigten Strafzölle von zehn Prozent auch auf 25 Prozent oder "deutlich darüber hinaus" erhöht werden könnten.

Die Entscheidung kommt vergleichsweise überraschend, auch wenn Trump als sprunghafter Charakter gilt. Beim G20-Gipfel Ende Juni hatten sich Trump und Chinas Präsident Xi Jinping noch auf eine Art vorübergehenden Handelsfrieden verständigt. Anfang dieser Woche waren Trumps Handelsbeauftragter Robert Lightizer und Finanzminister Steve Mnuchin schließlich in Schanghai, um mit der chinesischen Führung zu verhandeln. Das Weiße Haus sprach in einer Mitteilung von "konstruktiven" Gesprächen, Trump wählte dieselbe Formulierung.

Dennoch schien er eine weitere Eskalation für geboten zu halten, auch wenn die Verhandlungen nach seiner Aussage weitergehen sollen. Unklar ist, warum genau der US-Präsident sich zu der neuen Maßnahme entschlossen hat. In den USA wurde spekuliert, dass er damit die Notenbank Fed zu weiteren Zinssenkungen animieren will. Womöglich will Trump aber auch nur eines: den Druck auf Peking weiter erhöhen.

Offiziell begründete Trump sein Vorgehen damit, dass China in den Verhandlungen frühere Zugeständnisse zurückgenommen haben soll. "Wir dachten vor drei Monaten, wir hätten einen Deal mit China", schrieb Trump. Doch "China wollte den Deal vor der Unterzeichnung neu verhandeln". Peking würde sich unter anderem nicht an seine Zusage halten, mehr Agrarprodukte aus den USA zu kaufen.

Peking reagierte mit deutlichen Worten auf Trumps Zoll-Ankündigungen. Sollte der US-Präsident sie wahr machen, werde Peking die "nötigen Gegenmaßnahmen" ergreifen, um seine Kerninteressen zu verteidigen, teilte das chinesische Handelsministerium mit. "Die Vereinigten Staaten werden alle Konsequenzen zu tragen haben", hieß es weiter.

Trumps Pläne dürften China und seinen starken Exportsektor zwar empfindlich treffen; sollte er seine Ankündigung wahrmachen, wären praktisch alle chinesischen Exporte in die USA mit Strafzöllen belegt. Schaden könnten die Pläne aber auch vielen Amerikanern. Trump tut etwas, dass er bislang vermieden hatte: Die neuen Zölle betreffen nicht mehr nur hauptsächlich Zwischenprodukte für die Industrie. Betroffen sind nun vor allem Konsumgüter: Kleidung, Spielzeug und Elektrogeräte wie das iPhone, das in China produziert wird.

"Diese Produkte sind aus guten Gründen bislang ausgespart", sagt Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. "Es handelt sich um Güter, die eins zu eins in den Supermärkten liegen." Die höheren Kosten beim Import dürften stärker als bislang auf die Verbraucher abgewälzt werden, sagt er. Gerade bei Kleidung oder Spielzeug seien die Margen gering, der Spielraum für Importeure, Preissteigerungen nicht weiterzugeben, sei klein. Anders sehe es beim iPhone aus, in dessen Wertschöpfung eine hohe Marge steckt. Ob ein Konzern wie Apple bereit ist, auf Gewinn zu verzichten, um Trump zu helfen, ist allerdings eine andere Frage. Felbermayr sagt: "Die Dringlichkeit, sich zu einigen, wird für beide Seiten größer". Vor allem die chinesische Wirtschaft würde langfristig noch stärker unter den Zöllen leiden. Die Amerikaner müssten sich nun Gedanken machen, wie sie der chinesischen Seite "gesichtswahrende" Zugeständnisse abverlangen könnten. Die Frage sei allerdings, "ob so ein erratischer Präsident jemand ist, mit dem die Chinesen verhandeln können.

© SZ vom 03.08.2019
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