Handelspolitik Deutsche Autoindustrie warnt Trump

Zu viele Audis, BMWs, Mercedes, VWs sieht Donald Trump auf Amerikas Straßen.

(Foto: AFP)
  • Der Chef der deutschen Autolobby erklärte bei einer Anhörung des Washingtoner Handelsministeriums, die Autobranche sei global so stark verflochten, "dass unser Schicksal ein gemeinsames ist".
  • Alle Hersteller - auch die amerikanischen - bräuchten offene Märkte.
Von Claus Hulverscheidt, New York

Die großen Autokonzerne der Welt haben US-Präsident Donald Trump eindringlich vor der Einführung von Importzöllen gewarnt. Der Chef des deutschen Branchenverbands VDA, Bernd Mattes, sagte am Donnerstag bei einer Anhörung des Washingtoner Handelsministeriums, die Branche sei so eng verflochten, "dass unser Schicksal ein gemeinsames Schicksal ist".

Alle Autobauer, auch die amerikanischen, bräuchten offene Märkte. Ähnlich äußerte sich Branchenvertreter aus Asien. Die sieben Spitzenverbände der US-Autoindustrie, die heimische wie ausländische Hersteller repräsentieren, schrieben gar gemeinsam einen Brief an Trump.

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Die Automobilindustrie ist eine der wichtigsten Industrien in Deutschland. Am Donnerstag wird in Washington über ihre Zukunft verhandelt.

Trump drängt auf Konzessionen

Dem Präsidenten ist ein Dorn im Auge, dass auf Amerikas Straßen sehr viel mehr deutsche und asiatische Wagen unterwegs sind als amerikanische Pkw in Japan, Südkorea oder der Bundesrepublik. Zwar gibt es dafür Gründe, etwa dass die großen Sportgeländewagen, die US-Hersteller vorzugsweise bauen, in den dicht besiedelten Ländern Europas und Asiens wenig attraktiv sind. Trump jedoch glaubt, dass sich frühere US-Regierungen von anderen Staaten über den Tisch haben ziehen lassen.

Damit sei nun Schluss. Vor allem die EU müsse sich auf "gewaltige Vergeltung" einstellen, sollte Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker beim europäisch-amerikanischen Gipfel kommende Woche nicht zu erheblichen Konzessionen bereit sein. Wie sehr die Europäer die USA übervorteilten, zeige auch die jüngste Brüsseler Milliardenstrafe gegen den Internetkonzern Google, so Trump im Kurzmitteilungsdienst Twitter.

"Dieses Szenario macht mir Angst"

Offiziell sind die angedrohten Pkw-Zölle nötig, um eine Gefährdung der nationalen Sicherheit durch zu viele Importe abzuwenden. Selbst in Washington halten die meisten Experten diese Argumentation des Präsidenten für vorgeschoben. VDA-Chef Mattes erklärte, erst wenn weltweit eine Spirale aus Zöllen und Gegenzöllen in Gang käme, sei die nationale Sicherheit der USA tatsächlich in Gefahr. "Dieses Szenario macht mir Angst", sagte er. Auch die US-Verbände machten in ihrem höchst ungewöhnlichen Schreiben deutlich, dass sie Importzölle für den falsche Weg halten. Derlei Abgaben wären eine massive Belastung der Kunden, "die unvermeidlich zu sinkenden Verkäufen und dem Verlust amerikanischer Jobs führen" müsste.

Wirtschaftsminister Wilbur Ross betonte, es sei noch nicht entschieden, ob die zusätzlichen Autozölle von bis zu 25 Prozent tatsächlich kämen. In Europa geht man jedoch kaum noch davon aus, die neuen Abgaben vermeiden zu können. Sollte Trump sie einführen, will die EU hart zurückschlagen - auch um dem Präsidenten zu verdeutlichen, dass man sich nicht einschüchtern lässt.

Nach Ansicht mancher Beobachter ist die Gefahr einer Eskalation zuletzt sogar noch gestiegen, weil Trump versucht sein könnte, sein desaströses Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin durch eine harte Gangart im Handelsstreit zu übertünchen. Doch auch er persönlich geht ein hohes Risiko ein: Selbst republikanische Kongressmitglieder halten Trumps Kurs für gefährlich und arbeiten an einem Gesetz, das die Befugnisse des Präsidenten in Handelsfragen massiv einschränken würde.

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