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Handelskonzern Edeka:Großhandelsbetriebe wie Fürstentümer

Diese Großhandelsbetriebe ähnelten Fürstentümern, heißt es. Ihre Chefs haben starke Mitspracherechte und genießen in der Region große Freiheiten. So gibt es viele Fürsten, viele Gremien und viele Aufsichtsräte. Die Entscheidungswege sind lang, wer letztlich das Sagen trifft, ist kaum nachvollziehbar.

Gut 20 Prozent der Läden werden zudem direkt von den regionalen Großhandelsbetrieben geführt. Für diese Betriebe gilt der im Einzelhandel übliche Tariflohn. Wie gut eine Kassiererin oder ein Einräumer bezahlt wird, unterscheidet sich oft schon innerhalb weniger Straßenzüge. Das hängt davon ab, ob ein Genosse oder ein Großhandelsbetrieb den Laden führt.

Doch das Ganze ist noch verschachtelter. Den Genossen gehört die Zentrale in Hamburg. Der Zentrale wiederum gehören 50 Prozent an den Großhandelsbetrieben. Klare Verhältnisse sehen anders aus, doch fest steht: Der Edeka-Vorstandsvorsitzende Markus Mosa ist als Chef der Zentrale einer der mächtigen Männer im Verbund. An ihn berichten neben den Einkäufern auch die Juristen, er lässt die Eigenmarken entwickeln. Mosa verantwortet auch Werbekampagnen wie den schrägen Internet-Clip des Berliner Künstlers Friedrich Liechtenstein. Doch die Aktivitäten reichen noch weiter: Edeka betreibt 15 Fleischwerke, ein Fruchtkontor, einen Saftproduzenten und 17 Großbäckereien.

Edeka Bilanz-PK

Seine Machtposition bei den Genossen hat Edeka-Chef Markus Mosa (hier im April 2009 bei der Vorstellung der Bilanz) nicht zuletzt durch Übernahmen kleinerer Rivalen gestärkt.

(Foto: dpa)

Die Gewerkschaft fürchtet Lohndumping

Und der Händler wächst und wächst: 2005 kaufte Edeka den alteingesessenen Hamburger Kaufmann Spar. Vor einigen Jahren übernahm Edeka dann die Tengelmann-Tochter Plus und flaggte die Läden auf die eigene Discount-Tochter Netto um. Denn auch die mächtige Billigkette (Umsatz: 11,5 Milliarden Euro) gehört zur Gruppe - und damit den Genossen.

Jetzt will Edeka-Chef Mosa die Tengelmann/Kaiser's-Märkte zuerst an die Großhandelsbetriebe geben und dann an einzelne Genossen weiterreichen. "Dadurch ermöglichen wir vielen, vor allem jungen Menschen die Chance auf Selbständigkeit unter dem genossenschaftlichen Dach."

Was richtig flott klingt, löst bei Verdi Alarm aus. Die Gewerkschaft fürchtet Lohndumping. Die "Chance auf Selbständigkeit", so Verdi-Frau Nutzenberger, bedeute "in Wahrheit ein Risiko für die Beschäftigten durch Niedriglöhne". Grund: Sobald die Betriebe an die Genossen übergehen, wird oft nicht mehr nach Tarif bezahlt.

Doch bis es soweit kommt, muss noch das Bundeskartellamt zustimmen. Bis dahin könnten Monate vergehen - und das Plazet gilt keinesfalls als sicher. Kartellamts-Präsident Andreas Mundt jedenfalls ist schon jetzt unzufrieden mit der hohen Konzentration in der Lebensmittelbranche. Er will den Deal intensiv prüfen.