Handelsstreit Türkei verhängt Strafzölle auf US-Autos und Alkohol

Menschen vor einer Wechselstube in Istanbul: Der Konflikt mit den USA hat den Verfall der Lira weiter beschleunigt.

(Foto: AP)
  • Die Türkei hat Strafzölle auf US-Importe verhängt. Auf Autos, Alkohol oder Papier aus den USA wird nun der doppelte Zollsatz fällig.
  • Die Zölle sind eine Reaktion auf die jüngsten Strafabgaben der USA auf Stahl und Aluminium aus der Türkei.

Der Streit zwischen den USA und der Türkei spitzt sich weiter zu. Die türkische Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat am Mittwochmorgen Strafabgaben auf etliche amerikanische Produkte verhängt und damit die jüngst erlassenen Strafzölle der US-Regierung auf Stahl und Aluminium aus der Türkei gekontert.

Die im türkischen Amtsblatt veröffentlichte Liste beinhaltet 22 Warengruppen, deren Importzölle die Türkei verdoppelt. Auf den Import von US-Autos soll künftig ein Zollsatz von 120 Prozent fällig werden, bei alkoholischen Getränken sind es 140 Prozent. Auch der Import von Tabak, Reis oder Papier aus den USA wird entsprechend teurer. Smartphones stehen hingegen nicht auf der Liste. Erdoğan hatte am Dienstag angekündigt, sein Land werde US-Elektronikprodukte wie das iPhone künftig boykottieren.

Für den Kursverfall der Lira gibt es mehrere Gründe

Die am Mittwoch verkündeten Zölle seien eine Reaktion auf die "absichtlichen Angriffe" der US-Regierung, teilte der stellvertretende türkische Präsident Fuat Oktay mit. Die US-Regierung hatte am vergangenen Freitag die Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei verdoppelt und damit die wirtschaftliche Krise in der Türkei verschärft. Die türkische Währung Lira hat seit Jahresbeginn mehr als 40 Prozent an Wert verloren, die Inflation liegt im zweistelligen Bereich. Am Mittwoch erholte sich die Lira zunächst, nachdem die Türkei Maßnahmen ergriff, die Finanzwetten gegen die Währung erschweren sollen.

Für den dramatischen Kursverfall der Lira gibt es mehrere Gründe, darunter den zunehmenden Einfluss von Präsident Erdoğan auf die türkische Zentralbank. Ökonomen halten eine Erhöhung des Leitzinses für dringend erforderlich, um den Kursverfall und die Geldentwertung zu bremsen. Erdoğan lehnt dies bislang ab.

Ursache für den Handelskonflikt ist der politische Streit zwischen den beiden Ländern. Die Beziehung wird derzeit durch mehrere Streitfragen belastet. Ein wichtiger Grund ist die Festnahme des US-Geistlichen Andrew Brunson durch türkische Behörden. Die Ermittler werfen ihm Verbindungen zum Prediger Fethullah Gülen vor, der nach Darstellung der Erdoğan-Regierung hinter dem Putschversuch im Jahr 2016 steht. Brunson weist die Vorwürfe zurück. Das zuständige Gericht hat eine Entlassung des Pastors am Mittwoch erneut abgelehnt, berichten türkische Medien.

Die Lira-Krise wird keine türkische Krise bleiben

Der Einbruch der türkischen Währung geht unaufhaltsam weiter. Auch in anderen Ländern drohen schwere Verluste. Von Meike Schreiber, Jan Willmroth und Markus Zydra mehr...