Handelskonflikt Die USA müssen ihre hemmungslose Verschuldung zurückfahren

Seit dem Republikaner Reagan, hat es noch jeder US-Präsident geschafft, die Staatsschuld in noch gewaltigere Höhen zu treiben, und Trump setzt das fort.

(Foto: picture alliance / Alex Brandon/)

US-Präsident Trump liebt es, Länder wie Deutschland und China wegen ihrer hohen Ausfuhren anzugreifen. Dabei ist viel gefährlicher, dass die Amerikaner seit Langem auf Pump leben.

Kommentar von Ulrich Schäfer

Donald Trump hat ja in gewisser Hinsicht recht: Eine Weltwirtschaft, in der einige Nationen immer mehr exportieren, während in anderen Ländern die Handelsdefizite steigen, bekommt irgendwann ein Problem. Der amerikanische Präsident, der am Freitag Angela Merkel empfangen hat, nennt das "nicht fair", er wütete deshalb in den vergangenen Monaten immer wieder gegen die deutschen Autobauer und beklagte, dass in Deutschland kaum Autos von GM oder Chrysler führen. Ökonomen sind da nüchterner, ihnen geht es nicht um vermeintliche Fairness, sie reden lieber von "globalen Ungleichgewichten" im Welthandel. Aber auch die bereiten ihnen Sorge, denn sie könnten im schlimmsten Fall zu einer neuerlichen Finanzkrise führen.

Trump hat es mit seinen Tiraden geschickt geschafft, eine Debatte zu drehen, die sich zeitweise gegen sein eigenes Land gerichtet hatte. Indem er Deutschland und China attackiert, lenkt er davon ab, dass die USA mit schuld sind an jenem Problem, das er nun beklagt. Denn die USA leben seit vielen Jahrzehnten auf Pump, sie leihen sich gewaltige Summen im Ausland und nutzen das geborgte Geld auch, um sich Elektrogeräte und Aluminium aus Asien zu kaufen - oder Autos und Stahl aus Europa.

Die Lust am Kredit haben die Bürger und die Unternehmen, aber auch die Regierung in Washington und die Finanzindustrie. In den vergangenen drei Jahrzehnten, seit dem Republikaner Ronald Reagan, hat es noch jeder US-Präsident geschafft, die Staatsschuld in noch gewaltigere Höhen zu treiben, und Trump setzt das fort. Die Banken und Hedgefonds der Wall Street haben sich ebenfalls mit geliehenem Geld aus dem Ausland vollgepumpt und finanzieren damit ihre Geschäfte. Unterm Strich leiht sich kein Land so viel im Ausland wie die USA, und kein Land kann sich deshalb so gewaltige Importe leisten.

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Wohin das führen kann, hat die Welt vor zehn Jahren mit dem Ausbruch der Finanzkrise erlebt: Als die Wall Street kollabierte, brach auch ein System zusammen, welches auf einer viel zu hohen Verschuldung basierte. Genau hier aber liegt das Problem, welches mit den globalen Ungleichgewichten verbunden ist: Die eigentliche Gefahr geht weniger von den Waren aus, die Länder wie Deutschland im großen Stil verkaufen, sondern von den gigantischen Kapitalströmen, ohne die der weltumspannende Handel niemals funktionieren würde. Kapital nämlich ist flüchtig, es ändert seine Richtung viel schneller als ein Frachter, der Container oder Autos über die Weltmeere transportiert; wittern Anleger und Spekulanten Gefahr, ziehen sie ihr Kapital ab. Die globalen Ungleichgewichte können dann in eine echte Unordnung übergehen, es kommt zum Crash.

Vor zehn Jahren, in der Finanzkrise, haben die Europäer dieses Problem sehr klar benannt. Damals standen die USA am Pranger, weil sie ein doppeltes Defizit vorwiesen: in der Handelsbilanz und im Staatshaushalt. Heute stehen China und Deutschland am Pranger, weil sie riesige Überschüsse erzielen. Die Lösung dafür liegt aber nicht in höheren Zöllen - sondern nicht zuletzt auch darin, dass die USA ihre hemmungslose Verschuldung zurückfahren. Andernfalls werden sich die globalen Ungleichgewichte, die Trump beklagt, weiter verschärfen.

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