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Handelsflotte:Deutsche Schifffahrt fällt zurück

Neue Containerbrücken für Hamburger Hafen

Trübe Stimmung am Hamburger Hafen: Nicht nur die Ausbreitung des Coronavirus bereitet der Branche Schwierigkeiten.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Die Reeder liegen weltweit nur noch auf Rang fünf. China liegt dagegen vorn.

Die deutsche Handelsflotte hat an Marktmacht verloren und ihre seit Jahrzehnten führende Position im Containerverkehr an China abgegeben. "Dass China uns hier überholen würde, war abzusehen", sagte Alfred Hartmann, Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), am Mittwoch in Hamburg. Das sei zum einen eine Spätfolge der langen Krise nach 2009, zum anderen sei China heute die größte Handelsnation und setze auf sehr große Schiffe.

Die deutsche Handelsflotte verfügt seit einigen Jahren über rund ein Drittel weniger Schiffe und ist damit wieder auf dem Stand von 2008. Allerdings sind die Schiffe im Durchschnitt größer als damals, so dass die Tonnage deutlich höher ist. Auch der seewärtige Handel hat weltweit seit 2008 um mehr als ein Drittel auf elf Milliarden Tonnen zugelegt. Insgesamt kontrollieren deutsche Reeder 4,9 Prozent der Schifffahrt und liegen damit auf Rang fünf.

Die Ausbreitung des neuen Coronavirus bringt die Lieferketten durcheinander und bremst die internationale Schifffahrt. Die genauen Auswirkungen seien noch offen und würden teilweise durch die ohnehin üblichen Ferien zum chinesischen Neujahrsfest überdeckt, hieß es beim Verband. Die Charterraten für Massengutschiffe seien teilweise um 30 bis 40 Prozent oder noch mehr zurückgegangen, je nach Schiff, Ladung und Fahrtgebiet. Das liege an verminderten Rohstoff-Importen durch China: Da die Fabriken zeitweise kaum produzierten, benötigten sie auch weniger Rohstoffe.

Zudem stocke die Be- und Entladung von Containerschiffen, weil es in den großen Häfen auch im Süden des Landes an Kran- und Lkw-Fahrern sowie an Hafenarbeitern fehle. Das führe zu längeren Liegezeiten. Auch Kühlcontainer werden knapp, weil China viele gekühlte Lebensmittel importiert und die Container gegenwärtig schleppend entladen werden. Sie verstopfen den Lagerraum auf chinesischen Terminals; Steckdosen für die Kühlcontainer werden knapp und zum Teil müssen sie in andere Häfen umdirigiert werden.

Auf mittlere Sicht könnten die Störungen in der Logistik zu Versorgungsengpässen in Europa führen, etwa bei Arzneimitteln. Von den großen europäischen Reedereien und den Häfen sind bislang keine konkreten Aussagen zu erhalten, wie sich die Maßnahmen in China auf ihre Transport- und Umschlagleistungen auswirken werden. Dazu seien noch nicht genug Informationen verfügbar.

Auch die Umstellung der Schifffahrt auf neuen schwefelarmen Treibstoff mit 0,5 Prozent Schwefel zum Jahresbeginn ist nicht reibungslos verlaufen. Zum Teil sei der Treibstoff nicht überall verfügbar gewesen, zum Teil habe er sich nicht mischen lassen mit bereits zuvor in anderen Häfen gebunkerten Treibstoffen. So langsam normalisiere sich aber der Markt.

© SZ vom 27.02.2020 / dpa
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