Handel:Abends höhere Preise

Lesezeit: 4 min

Was nicht bedeuten muss, dass sie nur nach unten gehen. Im Gegenteil: Michael Näther, der Gründer des Repricers Logicsale in Köln sagt, was viele ahnen: Dass die Preise bei Amazon abends und am Wochenende höher liegen als tagsüber, weil die Menschen dann arbeiten und die Nachfrage geringer ist. Von Fixpreisen im Internet könne keine Rede mehr sein. "Bei Amazon und Ebay gab es in den letzten zehn Jahren noch nie die festen Preise, die wir aus dem stationären Handel kennen", sagt Näther. Lange schien das niemand zu merken. Erst jetzt, da die Konkurrenten von Amazon auf die Preise reagieren, werden die Preisschwankungen zum Massenphänomen.

Schnäppchen garantiert das Internet schon lange nicht mehr. Bei Amazon ist das Top-Angebot selten das preisgünstigste. Hier setzen die Repricer an. Sie zeigen Händlern, wie sie in die Buy-Box auf dem Marktplatz von Amazon kommen. Logicsales Rat: Bloß keine Fixpreise, sondern Preisspannen angeben. Mindestens so wichtig wie der Preis sind die Versandzeit, Verlässlichkeit und Kundenbewertungen. Das garantiere den Händlern 20 bis 30 Prozent mehr Gewinn.

"Nach 150 Jahren schließt sich nun der Kreis", sagt der Amerikaner Robert Garf, der Strategiechef von Demandware, einer der führenden US-Software-Firmen im E-Commerce. Er meint damit, dass das Zeitalter der von Händlern bestimmten Festpreise dem Ende zugeht. Die Kunden gewinnen Einfluss zurück. Sie brauchen zwar nicht feilschen wie im 19. Jahrhundert, können aber nach dem für sie günstigsten Angebot im Netz suchen. Nur: Diese Suche kann so anstrengend sein, wie es das Feilschen gewesen sein muss.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB