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Handel:Und die Teepflücker hungern

Workers carry sacks of tea leaves at a tea estate in Nagaon district

Schwere Last: Teepflückerinnen bei der Ernte in Assam.

(Foto: Stringer/Reuters)

Jeder vierte Arbeiter in der indischen Anbauregion Assam hat nicht genug zu essen, zeigt eine neue Studie von Oxfam. Auch auf zertifizierten Plantagen ist die Lage nicht besser.

Die Arbeitsbedingungen in der indischen Teenanbauregion Assam sind laut dem Hilfsorganisationen-Verbund Oxfam "katastrophal". Mehr als die Hälfte von 510 Befragten auf 50 Plantagen äßen zu wenig, mehr als ein Viertel nehme sogar weniger als 1800 Kalorien täglich zu sich und "leidet damit Hunger", heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Studie "Schwarzer Tee, weiße Weste". Untersucht wurden 50 Teeplantagen in Assam. 45 Prozent der befragten Arbeiter litten infolge verunreinigten Wassers unter Krankheiten wie Gelbsucht, Cholera oder Typhus, 51 Prozent unter Augenreizungen, Atemwegserkrankungen und allergischen Reaktionen - sie können durch Pestizide verursacht werden. "Bei einer Packung Markenschwarztee für drei Euro gehen nur zirka vier Cent an die Menschen, die den Tee gepflückt haben", sagt Barbara Sennholz-Weinhardt, Autorin der Studie: "Dass so eine Produktion zu menschenwürdigen Arbeits- und Lebensbedingungen nicht möglich ist, liegt auf der Hand."

Um die Zustände zu verbessern, setzen Teeproduzenten und Einzelhandelskonzerne auf die Zertifizierung von Plantagen durch Organisationen wie Rainforest Alliance oder Fairtrade. Jede zweite untersuchte Plantage hatte mindestens ein solches Zertifikat. Aber die Zustände auf konventionellen und zertifizierten Plantagen "unterscheiden sich nicht signifikant", sagt Sennholz-Weinhardt. Beim Lohn sei es gerade einmal ein Euro monatlich. Die Situation in Assam sei katastrophal, bestätigt auch eine Sprecherin von Fairtrade. Gemeinsam mit anderen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) versuche man, auf eine Änderung der rigiden Lohnvorgaben in Indien hinzuwirken. Traditionell ist der Teesektor in Indien vom Mindestlohn ausgenommen, und die Plantagen dürfen den Arbeitern die Kosten für Unterkunft vom kargen Lohn abziehen. Ein Rückzug aus dem Teesektor schade aber den Arbeitern auch, heißt es bei Fairtrade.

Bereits 2018 hatte die Universität Sheffield in einer Studie erhebliche Missstände in Assam offengelegt, und vor Kurzem wies die Rosa-Luxemburg-Stiftung auf ähnliche Probleme in der Region Darjeeling hin. Angesichts der Intransparenz der Lieferketten ist es für Oxfam unmöglich, nachzuweisen, welche Marken Tee von Plantagen mit schlechten Arbeitsbedingungen beziehen. Oxfam hält den Ansatz der Zertifizierung besonders beim Tee für gescheitert und fordert wie andere NGOs auch ein Gesetz, mit dem Unternehmen auf die Einhaltung sozialer Standards in der Lieferkette verpflichtet werden.