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Betrunken Shoppen:Kauf dir, was du nicht brauchst

Rausch ausschlafen

Auf bayerischen Volksfesten wäre die App "Drunk Shopping" wohl ein Hit. Allerdings würden die meisten wohl ihren Einkauf bereuen, wenn der Rausch nachlässt.

(Foto: Stephan Rumpf; SZ)

Mit 1,6 Promille im Netz zu surfen, kann zum unkontrollierten Shopping verleiten. Eine App macht genau das zum Geschäftsmodell - und offeriert Betrunkenen absurde Produkte.

Von Christopher Eichfelder

Wer mit geschätzten 1,6 Promille auf der Suche nach Unterhaltung durch Internetshops stöbert, der stolpert über so einiges: Wischmopp-Überzüge für die Hausschuhe zum Beispiel. Mit denen kann man gleich die Küche durchwischen, wenn man morgens zum Kühlschrank schlurft. Anderswo gibt es Zuckerguss mit Speckgeschmack zu kaufen, eine zwingend notwendige Anschaffung. Zumindest dann, wenn die schwangere Freundin gerade Heißhunger auf salzige Erdbeertörtchen hat. Der Shoppingrausch hat nur einen kleinen Haken: Im betrunkenen Zustand ist es nicht so leicht, im Netz nach lustigen Produkten zu suchen. Weil die Konzentration nach dem ein oder anderen Bier schwerfällt - oder der Finger auf dem Smartphone-Display vielleicht nicht mehr ganz so treffsicher ist.

Genau für diese Stunden gibt es jetzt die App "Drunk Shopping". Sie hilft Betrunkenen dabei, jede Samstagnacht ihr Geld zu verschwenden. Um sich anzumelden, reicht bereits eine Textnachricht an die Nummer 551-333-7865 mit dem Inhalt "heyyyyyy".

"Drunk Shopping", sagen die Betreiber, mache genau dann Spaß, wenn das Urteilsvermögen schon etwas eingeschränkt sei. Offenbar ist das vor allem Samstagnacht gegen zwei Uhr früh der Fall. Zu der Zeit schlägt die App deshalb ihren Nutzern per SMS möglichst eigenartige Produkte vor, die man dann über Amazon bestellen kann.

"Heißer Scheiß per App"

Der Ablauf des Verkaufsvorgangs ist ähnlich bizarr: Am anderen Ende sitzen Verkäufer, die dem angetrunkenen Shopper "den heißen Scheiß" andrehen wollen, so die Werbung. Der Chat dauert so lange, bis der Alkoholisierte ausdrücklich "Stopp" sagt oder endlich mit dem obligatorischen "Yooo" zuschlägt. Nur zielgruppengerecht, denn um diese Uhrzeit tippen nur noch die wenigsten Nutzer in Hochsprache zurück. Das Problematische: Wenn der Alkoholpegel langsam nachlässt und die Käufer die Reue packt, ist das Geld schon weg und das Produkt im Paketlaster unterwegs.

Die Idee zu dem Service stammt vom einstigen Buzzfeed-Werbemann Chris Baker, der schon mit anderen Aktionen aufgefallen ist. Mit einer Spam-Aktion gegen die NSA etwa, bei der möglichst viele Nutzer Schlüsselwörter mit Terror-Kontext verwenden sollten. Um zu testen, wie der Überwachungsapparat mit so einer Informationsflut umgehen kann. Auf seiner Seite "Outsourced Art" sammelt er wiederum Gemälde. Zum Beispiel ein Werk von chinesischen Kunstkopierern, die akribisch Magrittes "Die Liebenden" nachgemalt haben - mitsamt dem Wasserzeichen von Getty Images.

© SZ vom 22.05.2015

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