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Handel:"Ein Schuh-Paradies für Frauen"

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Mehr internationale Marken - wie etwa Tommy Hilfiger. Damit wollen die neuen Eigner bei Kaufhof punkten.

(Foto: Trevor Collens/AFP)

Galeria Kaufhof ist nun im Besitz der kanadischen HBC und wird sich wandeln: Schicke Marken auf den Mode-Etagen und Feinkost in den Lebensmittelabteilungen. Ob das aufgeht?

Von Michael Kläsgen

Bei Kaufhof brechen an diesem Donnerstag neue Zeiten an, so viel steht fest. Die 102 Waren- und 16 Sporthäuser sind am Mittwoch von der Metro AG in den Besitz der kanadischen Hudson's Bay Company (HBC) übergegangen. Wohin die Reise mit dem neuen Eigentümer führt, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Wird Galeria Kaufhof nun ausgeblutet, wie von Skeptikern befürchtet? Wie wird HBC den relativ hohen Kaufpreis von 2,8 Milliarden Euro (inklusive aller Verpflichtungen) finanzieren? Erhöhen die Kanadier die Mieten und wenn ja, in welchem Umfang und wohin fließt das Geld dann schließlich? HBC-Manager Donald Watros, der den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen und Lovro Mandac ablösen soll, beteuerte im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, dass das Geld größtenteils wieder an Kaufhof zurückfließe.

Watros versuchte zudem Befürchtungen zu zerstreuen, wonach es sich im Kern um ein Immobiliengeschäft handele. Tatsächlich gehen 43 der 59 Warenhäuser in ein Joint Venture mit dem US-Immobilienunternehmen Simon Property Group ein, das an die Börse gebracht werden soll. Watros betonte allerdings, dass die Amerikaner nur zwölf Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen hielten und HBC klar die Kontrolle habe.

Die Konstruktion hatte viele der etwa 21 500 Mitarbeiter der gesamten Galeria Kaufhof Gruppe beunruhigt, zu der auch 16 Filialen der belgischen Galeria Inno gehören. Denn sie erinnert an das Schicksal der Karstadt Warenhaus AG, die dem Vernehmen nach in wenigen Tagen zwar überraschend positive Zahlen präsentieren will, die aber bis dato ein Sanierungsfall war.

Der neue Geschäftsführer verspricht, dass niemand um seinen Job fürchten muss

Die Kanadier sehen Karstadt als warnendes Beispiel und distanzieren sich davon. Sie wollen als professionelle Warenhausbetreiber wahrgenommen werden und nicht als Finanzinvestoren. Waltros kündigte an, dass HBC "bedeutend" mehr in Kaufhof investieren wolle, als es bislang die Metro AG getan habe.

Kaufhof-Geschäftsführer Olivier Van den Bossche beteuert, dass niemand um seinen Job fürchten müsse. Vielmehr hätte Kaufhof die Chance, mit HBC zu wachsen. Aber all das gilt natürlich nur unter der Voraussetzung, dass das Konzept der Kanadier aufgeht. Die neue Strategie werden Kaufhof-Kunden demnächst vor allem in der Damen-Abteilung beobachten können.

Van den Bossche ist überzeugt, dass Kaufhof aufgrund der Einkaufsstärke von HBC Zugang zu anderen internationalen Mode-Marken haben wird, als es mit der Metro der Fall war. Der börsennotierte Konzern HBC machte zuletzt einen Umsatz von knapp sechs Milliarden Euro und damit doppelt so viel wie Kaufhof. Ihm schweben dabei Marken wie Marco Polo, Diesel, G-Star, Longchamp, Bobby Brown oder Calvin Klein vor. Luxusmarken wie Chanel oder Gucci wird es hingegen auch weiterhin nicht bei Kaufhof geben.

Am auffälligsten werden die Veränderungen in Abteilungen für Kosmetik-Artikel, Schuhe und Handtaschen werden. Van den Bossche will die Waren großräumiger und exklusiver präsentieren. Er will ein "Schuhparadies für Frauen" schaffen, sagte er der SZ. Es soll etwas Besonderes sein, bei Kaufhof einzukaufen und im besten Fall sogar Vergnügen bereiten. Ein wenig so, wie man es aus der Gründerzeit der Kaufhäuser in Europa aus Büchern und Filmen kennt. Andererseits: Wenn die Kanadier massiv fremde Marken in den Mode-Etagen installieren, was passiert dann mit den Mitarbeitern dort? Kritiker mahnen, die von HBC unterzeichnete Sozialcharta beinhalte nur Strafzahlungen für den Fall, dass die Kanadier in den kommenden drei Jahren mehr Filialen schließen, als von der Metro bereits verkündet. Aber sie schütze nicht vor Stellenabbau in den jeweiligen Kaufhäusern. Die Historie des angeblich ältesten Unternehmens Nordamerikas zeigt, dass HBC stets an Kostensenkung interessiert war und auch anderswo massiv Filialen abbaute.

Platz braucht HBC auch für seine Eigenmarken Saks Fifth Avenue und Saks Off 5th, deren Erfolg die Kanadier in Deutschland testen wollen. Vielleicht wird man sie dort finden, wo im Moment noch Büros sind. Van den Bossche beabsichtigt jedenfalls, Büroräume umzuwandeln. Das gilt auch für die Zimmer der Abteilungsleiter. Manches hängt noch vom Vorbesitzer Metro ab. Dessen Elektrogeschäfte Saturn finden sich noch in sieben Kaufhof-Filialen. Ob das so bleiben soll, müsse der Konzern in Düsseldorf entscheiden.

Anders als Karstadt setzt Kaufhof auf viel Online-Handel

Nicht zur Diskussion stehen, und das ist Van den Bosche ein großes Anliegen, die Lebensmittelabteilungen. Der Geschäftsführer will auf jeden Fall daran festhalten, weil er gerade die Lebensmittelabteilung als Ort ansieht, wo Einkaufen zum Erlebnis werden und man Neuigkeiten ausprobieren kann, und zwar eher im Feinkostbereich. Kaufhof will keinesfalls das Gleiche bieten wie Lidl oder Aldi. Nur müsse die Profitabilität stimmen. Filialen in großen Städten wie München, Köln und Düsseldorf werden daher weiterhin ihre Lebensmittelabteilung haben. In kleineren Filialen wird Van den Bossche hingegen genauer hinschauen, ob die Zahlen stimmen.

Angeblich spielt dabei keine Rolle, dass die Feinkostkette Perfetto beim Konkurrenten Karstadt ein Sanierungsfall ist und dort Stellen abgebaut werden.

Überhaupt ist die grundsätzliche Frage, wie sich Kaufhof gegenüber Karstadt positioniert, nachdem der Zusammenschluss nicht zustande gekommen ist. Im Online-Geschäft schlagen beide jedenfalls grundsätzlich andere Wege ein. Karstadt will seine Waren nicht auf allen Kanälen, per Prospekt, im Internet und vor Ort, anpreisen und vertreiben. Kaufhof hingegen sieht hier eindeutig einen Wachstumspfad. Bei HBC macht der Online-Anteil am Umsatz 15 bis 20 Prozent aus. Kaufhof soll sich in die gleiche Richtung entwickeln. Deswegen investiert HBC vor allem in den Onlinehandel, in die Software, aber auch in Computer in den Filialen.

© SZ vom 01.10.2015
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