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Handel:Die Lust am echten Geschäft

Woman walks in the European state-of-the-art store of German electronics retailer Media-Saturn in Ingolstadt

Online kaufen? Oder doch im Laden? Der Handel experimentiert.

(Foto: Michaela Rehle/Reuters)
  • Online-Händler wie Cyperport eröffnen zunehmend Geschäfte.
  • Die Läden hingegen rüsten elektronisch auf - auch, um die Entscheidungen der Kunden besser zu analysieren.

Weiße Tische, darauf Smartphones, Laptops und Tablets. Wände mit Fernsehgeräten, Regale mit Kaffeemaschinen und Toastern, Druckern und anderem Computerzubehör - auf den ersten Blick ist in dem Elektronikmarkt im Münchner Norden nichts anders als bei Mediamarkt oder Saturn. Doch auf den zweiten sieht man sie überall in dem Laden: iPads, die in verschraubten Halterungen stecken. Mit den Tablets lässt sich komfortabel durch das gesamte Angebot von Cyberport surfen. Schließlich hat die Firma mehr Toaster, Laptops, Kaffeemaschinen und Drucker im Programm als sie jemals in einen Laden zeigen könnte. Denn Cyberport, das ist eigentlich ein Online-Versender. Und doch ist der Münchner Laden inzwischen schon der 13. in Deutschland, diese Woche wurde bereits ein weiterer in Wien eröffnet. Also Kommando zurück, lieber doch wieder Geschäfte, in denen man alles in die Hand nehmen, ausprobieren, anprobieren, befühlen kann? Vergesst online?

Soweit wird es nicht kommen. Der Boom des Online-Handels hält an - von 2004 bis 2013 ist der Umsatz im E-Commerce allein in Deutschland von 13 auf 39 Milliarden Euro emporgeschnellt. Nach den Verlierern braucht man nicht lange zu suchen. Viele kleine Händler müssen gleich ganz schließen, bei den Großen, etwa Karstadt, gehen die Umsätze zurück, weil ihre veralteten Konzepte für die neue Zeit nicht mehr taugen.

Viele Ideen

Aber wie sähe so etwas aus, ein passendes Konzept? Seit die Digitalisierung auch den Handel erfasst, ist dies die Frage, die alle umtreibt. Wer stationäre Geschäfte betreibt, möchte wissen: Wie kann ich den Laden attraktiver machen, wie mit Online-Angeboten verknüpfen. Und die reinen Online-Händler spüren mehr und mehr, dass es dem Kunden oft eben nicht reicht, bloß das Bild eines Artikels zu sehen.

Ideen gibt es viele, gerade erst ging die Euro-CIS in Düsseldorf zu Ende. Früher war das eine Veranstaltung für ein paar Computer-Verrückte, für Nerds. Heute ist die Messe für IT im Handel ein Pflichttermin für Händler, die nicht schon morgen oder übermorgen untergehen wollen. Wenn der Kunde der Zukunft ins Supermarktregal greift, um irgendetwas herauszunehmen, löst er womöglich eine Daten-Kaskade aus. Sensoren und Kameras entgeht nicht die kleinste Regung. Wo bleibt er stehen, was nimmt er heraus, was legt er zurück, wie lange guckt er auf welchen Teil der Verpackung? Und was für ein Gesicht zieht er dabei? All das würden Einzelhändler und Markenartikelhersteller gerne wissen. Und die Technik kann noch mehr: Auf Basis der gesammelten Daten spielt ein neben dem Regal platzierter Bildschirm Produktvideos ab, zeigt vielleicht auch, wie der Kunde im Internet-Shop des Unternehmens die gleiche Jacke in grün und passender Größe bestellen kann.

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