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Hamsterkäufe:Die Nudel ist sicher

Supermarkt in München während der Corona-Krise, 2020

So sah es im Frühjahr aus: kaum noch Nudeln. So weit soll es nicht wieder kommen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der italienische Weltmarktführer Barilla baut die Versorgung Deutschlands in der Krise weiter aus: Es sollen bald noch mehr Pasta-Züge zwischen Parma und Ulm fahren.

Von Michael Kläsgen, München

Die Nudel ist als Stabilitätsanker in der Krise noch nicht hinreichend gewürdigt worden. Egal bei welchem der seriösen Konsumforschungsinstitute man nachfragt, sei es die GfK oder Nielsen, alle bescheinigen: Der Rückgriff auf die Nudel, gleich welcher Form, war in den epidemiologisch bislang herausforderndsten Monaten von März bis Mai die in Deutschland beliebteste Krisenbewältigungsstrategie. Laut GfK und Nielsen drückte sich das in einem exponentiell gestiegenen Pastaverkauf im Handel aus, der, würde man ihn grafisch darstellen, der Ausbreitung des Coronavirus ähnlich wäre. Der Nudelabsatz und der Pandemieverlauf korrelieren gewissermaßen proportional.

Insofern ist es eine gute Nachricht, wenn nun angesichts abermals rasant steigender Infektionszahlen der wahrscheinlich bekannteste Pastahersteller Europas, Barilla aus Italien, den Ausbau einer vom Unternehmen selbst initiierten Nudel-Zug-Verbindung zwischen Parma und Langenau bei Ulm ankündigt. Die Taktung des "Pasta-Zuges" kennt auch nur eine Richtung: steil nach oben. Im März, zum Anfang der Pandemie in Europa, fuhren nur zwei Züge pro Woche nach Süddeutschland, Ende Juni schon drei und nun könnten es bald vier werden, kündigt Barilla an.

Jeder Zug besteht aus 16 Waggons mit insgesamt 32 Containern und ist jeweils mit 490 Tonnen Pasta, 60 Tonnen Saucen und 40 Tonnen Pesto beladen. So abstrakt die Zahlen erscheinen mögen, sie vermitteln das Gefühl: Das könnte für diesen Winter reichen. Die Nudel ist sicher.

560 Kilometer ist die Strecke über die Alpen lang; und nur gut 100 Kilometer Luftlinie liegt Parma von Bergamo entfernt, dem Ort, der weltweit als Epizentrum der Seuche in Italien gilt. Dennoch sagt Barilla-Manager Bastian Diegel: "Im März lieferte Barilla 50 Prozent mehr Nudeln nach Deutschland als im Vorjahresmonat." Die Werke, auch in Norditalien, liefen trotz Notstandes auf Hochtouren. "In manchen Werken wurde während des Lockdowns mehr Pasta produziert als jemals zuvor", so der Logistik-Experte , "wenn auch zu signifikant höheren Kosten."

Auch jetzt sei Barilla gut gerüstet für das, was noch kommen könnte. Allerdings: "Das Bedürfnis nach Vorratskäufen", Diegel spricht nicht von Panik, "ist nicht mehr so groß wie in der ersten Welle." Für den Nudelabsatz wiederum ist das gar nicht so förderlich. Diegel sagt es so: "Bei sich zu Hause essen die Menschen mehr Nudeln als in der Kantine oder Kita." Wobei: Valide Daten gibt es dazu keine.

Der Zug wiederum wirkt sich gleich in vielerlei Hinsicht positiv aus, auch für Barilla. Zunächst einmal wird dadurch die Umwelt geschont. Früher ließ Barilla die Pasta in Lkw transportieren, mit dem Zug werden jetzt 6000 Tonnen CO2 weniger in die Atmosphäre gepustet, schätzt das Unternehmen - 70 Prozent weniger. Und: "Dank des Zuges können wir die Kosten für den Transport wesentlich besser eingrenzen und abschätzen, als das zuvor mit dem Lkw der Fall war", sagt Diegel. Die Nudel ist also nicht nur sicher, sondern beruhigt auch noch das ökologische Gewissen. Man könnte meinen, Barilla hätte mehr als den Deutschen Logistik-Preis in dieser Woche verdient.

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