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Halbjahreszahlen nach Roland Kochs Rücktritt:Bilfingers Gewinn bricht um fast die Hälfte ein

Bilfinger-Aufsichtsrat - Pressegespräch

Der Baukonzern Bilfinger meldet für das erste Halbjahr 2014 einen massiven Gewinnrückgang.

(Foto: dpa)

Vorstandschef Roland Koch ist weg, den Baukonzern Bilfinger hinterlässt er als Baustelle. Nun hat der alte Chef Herbert Bodner wieder das Sagen - und muss sich gleich mit schlechten Halbjahreszahlen herumschlagen.

  • Der Baukonzern Bilfinger meldet einen massiven Gewinneinbruch.
  • Durch zwei Gewinnwarnungen innerhalb kurzer Zeit ist das Vertrauen des Marktes in Bilfinger erschüttert.
  • Vorstandschef Roland Koch musste wegen der negativen Entwicklung in der vergangenen Woche seinen Posten räumen.

Massiver Gewinnrückgang

Ausbleibende Investitionen in Kraftwerke haben dem Bau- und Ingenieurdienstleister Bilfinger im zweiten Quartal einen massiven Gewinnrückgang eingebrockt. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) brach im ersten Halbjahr um 47 Prozent auf 80 Millionen Euro ein, teilte das Unternehmen mit. Unter dem Strich verdiente Bilfinger 55 Millionen Euro, 19 Prozent weniger als im Vorjahr.

Schuld sei vor allem das schwierige wirtschaftliche Umfeld im Energiemarkt und im europäischen Öl- und Gassektor. Die deutschen Energiekonzerne haben wegen des Ausbaus erneuerbarer Energien derzeit mit Ertragsproblemen zu kämpfen und investieren deshalb wenig in Wartung und Bau von Kraftwerken - woran Bilfinger als Dienstleister normalerweise verdient. Besonders betroffen sind davon die Geschäftsfelder "Power" und "Industrial".

Zwei Gewinnwarnungen kosteten Koch den Job

Bilfinger hatte in der vergangenen Woche zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit seine Jahresprognose gesenkt. Das hat das Vertrauen des Marktes in das Unternehmen erschüttert - und Vorstandschef Roland Koch den Job gekostet. Der frühere hessische Ministerpräsident hatte die Verantwortung für den starken Gewinnrückgang übernommen, seinen Rücktritt aber auch mit Streit im Aufsichtsrat über den weiteren Kurs des Unternehmens begründet.

Aufsichtsratschef Bernhard Walter hatte dagegen allein das Verfehlen interner Gewinnversprechen Kochs als Grund für die angeblich "einvernehmliche Trennung" angeführt. Das Vertrauen zu Konzernchef Koch, der erst vor drei Jahren aus der Politik an die Spitze des Traditionsunternehmens gewechselt war, sei zerstört gewesen. Über die Strategie, Bilfinger stärker auf Bau- und Ingenieurdienstleistungen für Kraftwerke, Industrie und Gebäudemanagement auszurichten und das Baugeschäft stark zu reduzieren, habe jedoch Einigkeit geherrscht. Nach Kochs Ausscheiden am vergangenen Freitag wurde der frühere langjährige Konzernchef Herbert Bodner zum Interimschef bestellt.

Mit Stellenstreichungen gegen die Krise

Schon nach der ersten Gewinnwarnung hatte der Konzern unter Kochs Führung den Abbau von 200 bis 300 Stellen in der Kraftwerksparte beschlossen. Im vergangen Jahr hatte Bilfinger den Abbau von 1250 Stellen in der Verwaltung angekündigt.

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