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Halbjahresbilanz:Siemens kommt gut aus der Krise

Neue Siemens-Zentrale in München, 2016

Siemens-Konzernzentrale am Wittelsbacherplatz in München. Der Konzern profitiert von der Pandemie.

(Foto: Florian Peljak)

Der Münchner Konzern erhöht schon wieder die Prognose, die Aktie legt weiter zu.

Von Caspar Busse

Seit drei Monaten ist Joe Kaeser jetzt endgültig weg, Roland Busch hat als Vorstandsvorsitzender von Siemens vollständig übernommen. An diesem Freitag präsentierte er zusammen mit Finanzvorstand Ralf Thomas eine überraschend gute Geschäftsentwicklung. "Wir gehören zu denjenigen Unternehmen, die gestärkt aus der Krise hervorgehen", sagte Busch und erhöhte zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten die Prognose deutlich. Die Aktie legte am Freitag um drei Prozent zu, das Papier notiert nahe des Höchststands von 145 Euro. Die Abspaltung des Energiebereichs unter dem Namen Siemens Energy (inzwischen ebenfalls im Dax notiert) hat also nicht zu einem Kursrückgang geführt, im Gegenteil. Sorgen bereiten Siemens der stockende Nachschub an Chips und steigende Rohstoffpreise. Probleme gebe es bei Stahl, Kunststoffen und Frachtkapazitäten.

Das Geschäft von Siemens brummt aber, vor allem in der Industrieautomatisierung. Die Pandemie beschleunige Automatisierung und Digitalisierung, sagte Busch. Staatliche Hilfen zum Wiederaufbau der Wirtschaft zielten zudem auf eine energieeffiziente Modernisierung der Infrastruktur ab, was Siemens in der Gebäudetechnik-Sparte in die Hände spiele. Von Anfang Oktober bis Ende März (das erste Halbjahr des Geschäftsjahrs 20/21) hat Siemens bereits einen Gewinn von 3,9 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Busch erhöhte nun die Prognose, für das Gesamtjahr rechnet er mit einem Nettogewinn von 5,7 bis 6,2 Milliarden Euro. Der Umsatz soll um etwa zehn Prozent wachsen. Zuletzt lag das Umsatzplus bei neun Prozent, die Aufträge verbesserten sich um elf Prozent. Das war jeweils deutlich mehr, als Analysten im Vorfeld erwartet hatten. "Unsere Kunden bringen uns großes Vertrauen entgegen. Das zeigen Auftragslage und Umsatz im zweiten Quartal eindrucksvoll", sagte Busch.

Siemens profitiert dabei von der Erholung der Weltwirtschaft, besonders auch von der guten Entwicklung in China. Insbesondere in der Autoindustrie und beim Maschinenbau, beide sind wichtige Kunden von Siemens, ging es zuletzt erstaunlich deutlich voran. Noch nicht enthalten in den Zahlen und bei der Prognose ist die Übernahme des Krebstherapie-Spezialisten Varian durch die Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers. Diese ist mit rund 15 Milliarden Euro die teuerste der Firmengeschichte. Das US-Unternehmen gehört seit Mitte April zum Konzern und soll in den restlichen fünf Monaten noch einen Milliardenumsatz beisteuern. An der börsennotierten Siemens Healthineers ist Siemens mit 75 Prozent beteiligt. Siemens Energy dagegen ist weitgehend unabhängig, Siemens hält daran nur noch einen kleinen Prozentsatz.

© SZ vom 08.05.2021
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