Haftstrafe nach Kursmanipulationen Ehemaliger SdK-Vize Straub verurteilt

Früher kämpfte er für die Rechte der Aktionäre, nun hat ein Gericht den ehemaligen Vizechef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger Markus Straub selbst wegen Manipulation von Aktienkursen verurteilt.

Im Herbst 2010 schlug die Staatsanwaltschaft zu: Sie verdächtigten hochrangige Anlegervertreter, selbst andere Anleger getäuscht, Kurse manipuliert und so abkassiert zu haben. Eine ganze Clique sollte an dem Insiderhandel beteiligt sein, die etwa mit Hilfe von Börsenbriefen Aktien hoch- oder runtergeschrieben habe.

Seitdem sitzt der ehemalige Vizechef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger SdK, Markus Straub, in Untersuchungshaft. Jetzt wurde ein Urteil gesprochen: Straub wurde wegen Aktienkursmanipulationen zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt. Zudem verhängte das Landgericht München eine Geldstrafe von 36.000 Euro.

Ein mitangeklagter Herausgeber der Börsenbriefe wurde zu drei Jahren Haft und 27.000 Euro Geldstrafe verurteilt. Da beide schon seit 2010 in Untersuchungshaft sitzen, wurde der Haftbefehl aber aufgehoben und beide Männer wurden freigelassen.

Nach Überzeugung der Richterin hatten die Verurteilten einen hohen Schaden angerichtet. Um dafür einzustehen, müssen sie zusätzlich zur Geldstrafe zusammen 160.000 Euro aus ihrem Vermögen an Wertersatz zahlen. Strafmildernd wertete die Richterin, dass beide am Ende Reue gezeigt hätten und die Taten schon lange zurückliegen.

Die Männer standen seit zwei Monaten vor Gericht. Zum Prozessauftakt hatten die Angeklagten energisch ihre Unschuld beteuert. Das Gericht hatte sich deshalb darauf eingestellt, die Vorwürfe anhand von Gutachten und Zeugen aufzuklären und vorsorglich Termine bis Mai festgelegt. Nach einer Absprache zwischen den Verfahrensbeteiligten ging es aber nun ganz schnell. Ein Teil der Anklagevorwürfe wurde fallengelassen: Vom Insiderhandel rückte das Gericht ab und verurteilte die Männer nur wegen Marktmanipulation.

Seit Jahren kämpft die Schutzgemeinschaft SdK mit der hässlichen Affäre, in die mehrere Ex-Funktionäre verwickelt sind. Von dem jetzt verurteilten Straub trennte sich die Organisation bereits 2008, als erste Vorwürfe laut wurden, und verschärfte die Regeln, um zu verhindern, dass Funktionäre eine Firma öffentlich kritisieren und vorher auf ihren Kurssturz wetten, wie es Straub gemacht hat. Es laufen noch Ermittlungen gegen weitere ehemalige hochrangige Mitglieder des Vereins.

Die Ermittlungen gegen die Clique, zu der auch Finanzautoren gehören, bezeichnen Behörden als größten Schlag gegen die organisierte Kursmanipulationen. Mutmaßlicher Profit: ein zweistelliger Millionenbetrag.