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Datenschutzverstoß:H&M speicherte, ob Mitarbeiter Blasenschwäche oder Krebs hatten

Neben der Datenschutz-Strafe wurde auch bekannt, dass H&M noch mehr Filialen schließen will.

(Foto: Frederik Sandberg/AFP)

Hunderte Mitarbeiter wussten nicht, welche intimen Details ihr Arbeitgeber über sie aufzeichnete. H&M muss nun 35 Millionen Euro Strafe zahlen.

Von Michael Kläsgen

Wegen des Ausspähens von Mitarbeitern soll der schwedische Modekonzern Hennes & Mauritz (H&M) ein Bußgeld von 35,3 Millionen Euro zahlen. Mit der Überwachung von Hunderten Mitarbeitern im Servicezentrum Nürnberg habe der Konzern gegen den Datenschutz verstoßen, begründete der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz den Erlass.

H&M entschuldigte sich in einer Mitteilung "vorbehaltlos" bei den Mitarbeitern für das Vorgehen. Der Modehändler übernehme die volle Verantwortung dafür und werde die betroffenen Mitarbeiter finanziell entschädigen. Geld erhalten sollen alle, die seit Mai 2018 für mindestens einen Monat in dem Dienstleistungszentrum beschäftigt waren.

Der Fall war im Oktober 2019 aufgeflogen. Nach Angaben der Hamburger Datenschützer speicherte H&M nicht nur private Gesundheitsdaten, angefangen bei der Blasenschwäche bis zur Krebserkrankung, sondern auch Daten aus dem sozialen Umfeld wie etwa familiäre Streitigkeiten, Todesfälle oder Urlaubserlebnisse - ohne Einverständnis oder Wissen der Betroffenen.

Die Vorgesetzten registrierten die Daten der Arbeitnehmer "systematisch und detailliert", hatte die Auswertung der Protokolle ergeben. Das Vorgehen sei "ohne Beispiel" gewesen. Der Fall liegt in der Zuständigkeit des Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz, weil das Unternehmen seine Deutschlandzentrale in der Hansestadt hat.

H&M räumte ein, direkt nach dem Auffliegen des Falls Verbesserungen vorgenommen zu haben. Unter anderem seien die Führungsebene in Nürnberg ausgetauscht, die Anweisungen für die Manager überarbeitet, alle Beschäftigten geschult und Vorkehrungen zur Bereinigung der gespeicherten Daten getroffen worden. Die Bußgeldentscheidung der Hamburger Datenschutzbehörde werde das Unternehmen "sorgfältig prüfen", teilte der schwedische Modekonzern mit. Die Höhe der Summe dient laut Datenschutzbehörde auch zur Abschreckung für andere Unternehmen.

Die Zahl der Läden weltweit soll um weitere 250 schrumpfen - wie viele in Deutschland betroffen sind, ist noch offen

Unabhängig davon teilte H&M mit, sein Filialnetz noch stärker ausdünnen zu wollen. Nachdem bereits 50 Stores geschlossen worden sind, soll die Zahl der Geschäfte weltweit 2021 um weitere 250 Stores schrumpfen. "Zum aktuellen Zeitpunkt ist es noch zu früh", um konkrete Zahlen für Deutschland zu nennen, sagte ein Sprecherin. Schließungen seien Teil der "kontinuierlichen Optimierung des Store-Portfolios" und "von Markt zu Markt unterschiedlich". Deutschland ist einer der wichtigsten Märkte für H&M. Das Filialnetz ist hier besonders dicht.

Derzeit sind noch 166 der weltweit insgesamt rund 5000 H&M-Filialen wegen der Corona geschlossen. Die Pandemie belastet alle Mode-Filialisten stark. Im Sommerquartal war H&M zwar in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt, Gewinn und Umsatz sanken zuletzt aber wieder. Konzernchefin Helena Helmersson, seit Januar im Amt, will daher mit den Sparprogramm weitermachen. Sie plant den größten Stellenabbau in der Geschichte des Unternehmens.

© SZ

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