Gummibärchen-Hersteller Haribo macht Rheinland-Pfalz froh

Gummibärchen von Haribo.

(Foto: Ina Fassbender/Reuters)

Haribo wurde nicht nur in Bonn gegründet, sondern führt die Stadt auch quasi im Namen. Doch nach fast 100 Jahren zieht die Verwaltung des Gummibärchen-Konzerns nach Rheinland-Pfalz um. Aus finanziellen Gründen.

Von Caspar Busse

In einer kleinen Hinterhofwaschküche im wenig attraktiven Bonner Stadtteil Kessenich hat alles angefangen. Der Bonbonkocher Hans Riegel gründet hier kurz vor Weihnachten 1920 seine eigene Firma. Er gibt ihr den Namen Haribo - als Abkürzung für Hans Riegel Bonn - und startete eine süße Erfolgsgeschichte. Denn heute, 94 Jahre später, ist Haribo Europas größter Hersteller von Fruchtgummi und Lakritze, die Produkte werden in mehr als hundert Länder verkauft. 100 Millionen Gummibärchen werden hergestellt - pro Tag. Der Umsatz wird auf zwei Milliarden Euro im Jahr geschätzt.

Viel wurde in den vergangenen Jahrzehnten nicht geändert, nur der Erfolg wurde immer größer: Die Gummibärchen sind schon immer unverändert, genau wie der alte Werbespruch "Haribo macht Kinder froh" und der Traditionsstandort. In Kessenich weht schon immer der süß-klebrige Duft von Lakritze und Süßigkeiten durch die Luft. Haribo und Bonn, das gehört zusammen wie das Oktoberfest und München, Hafen und Hamburg oder Christstollen und Dresden.

Doch jetzt tut sich Revolutionäres. Haribo will weg. Die Hauptverwaltung werde in etwa drei Jahren an den neuen Standort Grafschaft verlagert, teilte ein Haribo-Sprecher mit. Dort, direkt an der Autobahn A 61 auf einer Fläche von 27 Hektar, entsteht auch ein großer Logistikstandort für das Unternehmen. Unbestätigten Schätzungen zufolge sollen bis zu 500 Millionen Euro investiert werden. Die Vorbereitungen liefen bereits auf Hochtouren. Es würden demnächst neue Mitarbeiter angeheuert, rund 300 Arbeitsplätze sind geplant. Die Produktion mit etwa 800 Jobs soll aber weiterhin in Kessenich bleiben, heißt es, zumindest vorerst. Über weitere Verlagerungspläne gibt es keine Informationen.

Kann Bonn es sich leisten, Haribo zu verlieren?

Von Bonn in das Gewerbegebiet Grafschaft in der Nähe von Ahrweiler, das sind mit dem Auto zwar nur knapp 30 Kilometer, aber in Wirklichkeit ist es eine Welt. Der neue Standort liegt in Rheinland-Pfalz, Bonn gehört zu Nordrhein-Westfalen. Die Belastung mit Gewerbesteuer ist im Nachbarbundesland deutlich geringer. Als Grund für den Umzug gibt das Unternehmen aber in erster Linie die beengten Verhältnisse am Stammsitz an. "Haribo reagiert damit auf die begrenzten Kapazitäten am Standort Bonn, die nicht nur den Produktionsbereich, sondern mittlerweile auch die Verwaltung betreffen", sagte ein Sprecher. Lange und intensiv wurde mit der Stadt Bonn über ein neues Gelände für das Unternehmen verhandelt, es ging hin und her, am Ende ohne Erfolg.

"Wir können die Entscheidung des Unternehmens, auch die Firmenzentrale nach Grafschaft zu verlagern, nur zur Kenntnis nehmen", sagt Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) schmallippig. Für die ehemaligen Hauptstadt ist das ein Schlag. "Haribo weiß, dass seine Wurzeln in Bonn liegen, und das Unternehmen hat von hier aus seinen weltweiten Erfolg angetreten", fügt der Oberbürgermeister an. Es habe einfach kein geeignetes Gelände im Stadtgebiet gegeben. Nun hofft man bei der Stadt, dass wenigstens die Produktion langfristig in der Stadt bleibt. Kann Bonn es sich leisten, einen wichtigen Gewerbesteuerzahler zu verlieren? Seit dem Umzug der Regierung nach Berlin hat sich einiges getan. Vieles ist geglückt, aber auch einiges schiefgegangen. In Bonn haben die beiden ehemaligen Staatsunternehmen Deutsche Post und Deutsche Telekom ihren Hauptsitz. Es ist also eine Zeitenwende bei Haribo. Im vergangenen Oktober erst war Hans Riegel, der Sohn des Gründers, im Alter von 90 Jahren gestorben. Heute gehört der Konzern der Stiftung des kinderlosen Hans Riegel und den vier Erben seines Bruders. Mit dem eigensinnigen Alten, so ist zu hören, wäre die Verlagerung des Sitzes womöglich nicht zu machen gewesen. Bei Haribo wird darauf verwiesen, dass Hans Riegel noch selbst den Grundstein für den neuen Standort gelegt habe. Damals sollte dort aber zunächst nur das Logistikzentrum entstehen.