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Grundsatzdebatte über US-Notenbank:Gelddrucken um jeden Preis

Die US-Notenbank Fed bleibt stur. Sie will ihre lockere Geldpolitik beibehalten, doch immer mehr Ökonomen halten das für einen Fehler: Der Dollar soll ihrer Meinung nach bewusst geschwächt werden - als Mittel gegen Arbeitslosigkeit.

Amerikas Wirtschaft sieht deprimierend aus. Das Wachstum ist anämisch, die Jobs, die der Privatsektor schafft, reichen nicht, um die Arbeitslosigkeit substantiell zu senken. Dazu die Gefahr, dass die Schuldenkrise Europas die Welt in eine neue Rezession zurückwirft. Was Präsident Barack Obama tun könnte, um die Wirtschaft zu beleben, ist nicht so recht zu erkennen.

Wie sollen die Vereinigten Staaten mit Inflation und Arbeitslosigkeit umgehen? Die amerikanische Notenbank Federal Reserve in Washington.

(Foto: AFP)

Jetzt jedoch hat Obamas frühere Chefberaterin Christina Romer einen bemerkenswerten Vorstoß in dieser Richtung unternommen. Romer, die nach zwei Jahren im Weißen Haus wieder an die Universität von Kalifornien in Berkeley zurückgekehrt ist, schlug in einem Beitrag für die New York Times vor, dass die Notenbank Fed angesichts der hohen Arbeitslosigkeit ihren Kurs von Grund auf ändert. Statt, wie bisher, eine Ziel-Inflationsrate - also etwa "unter 2,0 Prozent" - festzulegen, sollte sie ein bestimmtes Niveau des nominellen Bruttoinlandsprodukts (BIP) anstreben.

Der Unterschied klingt ziemlich akademisch, ist es aber nicht. Im Gegenteil: Würde Notenbankchef Ben Bernanke den Ideen von Romer folgen, dann wären die Folgen mehr Inflation in den Vereinigten Staaten und ein deutlich geschwächter Dollar.

Bisher folgt die Fed bei ihren Zinsentscheidungen mehr oder weniger akkurat der so genannten Taylor Regel, benannt nach dem Standford-Ökonomen John B. Taylor, einem Kandidaten für den Wirtschaftsnobelpreis seit vielen Jahren. Sie lautet, stark vereinfacht: Wenn die Inflationsrate um einen Prozentpunkt über dem angestrebten Wert liegt, dann sollten die Zinsen um 1,5 Prozentpunkte steigen; wenn das Wirtschaftswachstum um einen Prozentpunkt hinter den Erwartungen zurückbleibt, sollte der Zins um 0,5 Punkte sinken.

Momentan spielt die Taylor-Regel in den USA keine große Rolle, denn der Leitzins liegt bei null, und das wichtigste Instrument der Fed ist der Kauf von Staatspapieren, um so Geld in die Wirtschaft zu pumpen.

Um jeden Preis die Lücken schließen

Was würde sich ändern, wenn die Fed das nominelle BIP, also die Addition von realem Wachstum und Inflationsrate als Ziel wählen würde? Christina Romer erklärt: "Die Fed würde in einem normalen Jahr, etwa 2007, beginnen und dabei feststellen, dass das nominale BIP seither mit einer Jahresrate von 4,5 Prozent hätte wachsen müssen. Wegen der Rezession und der ungewöhnlich niedrigen Inflation 2009 und 2010 hinkt das nominelle BIP aber um zehn Prozent hinter diesem Pfad zurück. Wenn die Fed das nominelle BIP als Ziel wählt, verpflichtet sie sich, diese Lücke zu schließen."

Das neue Ziel wäre, so Romer, vor allem ein "machtvolles Kommunikationsinstrument": Wenn es darauf ankommt, um jeden Preis die Wachstumslücke zu schließen, dann gelten unorthodoxe Maßnahmen wie der Aufkauf langfristiger Staatsanleihen plötzlich als normal und müssen nicht mehr besonders begründet werden. Und, was orthodoxe Geldpolitiker am meisten erschrecken dürfte: Der neue Kurs dürfte Inflationserwartungen in der Wirtschaft wecken, was Romer als durchaus "hilfreich" bezeichnet. Wenn die erwartete Inflation höher liegt, sinken automatisch die heutigen Realzinsen, Kredite werden billiger und die Menschen können sich wieder mehr Autos, Häuser und Büroausrüstungen kaufen.