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Großbritannien:Hilfe für Huawei

The logo of Huawei Technologies is pictured in front of the German headquarters of the Chinese telecommunications giant in Duesseldorf

Deutschlandzentrale in Düsseldorf: Die USA warnen vor dem Konzern - aus Angst vor Spionage.

(Foto: Wolfgang Rattay/Reuters)

Mehrere Industriestaaten wollen den Einsatz von Technik des chinesischen Telekommuni­kationsausrüsters einschränken. Britische Sicherheitsbehörden halten die Gefahren für beherrschbar. Huawei wehrt sich.

Britische Sicherheitsbehörden sind Insidern zufolge gegen einen kompletten Verzicht auf Infrastruktur des chinesischen Netzwerkausrüsters Huawei. "Wir favorisieren ein Totalverbot nicht. Es ist nicht so einfach", sagte eine der mit der Angelegenheit vertrauten Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor hatte die Wirtschaftszeitung Financial Times berichtet, die britische Regierung halte die Risiken durch den Einsatz von Huawei-Ausrüstung in 5G-Netzen für kontrollierbar. Dies sagten zwei Personen unter Berufung auf Erkenntnisse des britischen Cybersicherheits-Zentrums NCSC der Zeitung. Weitere Details wurden nicht genannt. Noch im vergangenen Jahr hatte das NCSC erklärt, Huawei-Ausrüstung habe die nationalen Telekomanbieter neuen Sicherheitsrisiken ausgesetzt. Den Insidern zufolge ist die Behörde jetzt aber der Meinung, die Risiken durch eingehende Überprüfungen von Produkten - überwacht von Geheimdiensten - beherrschen zu können.

Der künftige Umgang mit Huawei-Technik in Großbritannien ist auch in anderen Ländern von Interesse und könnte ihnen als Schablone dienen. Details dürfte auch ein NCSC-Bericht liefern, der in den nächsten Wochen veröffentlicht werden soll.

US-Geheimdienste werfen dem Marktführer Huawei und dem kleineren chinesischen Wettbewerber ZTE vor, Verbindungen zur Regierung in Peking zu pflegen. Sie vermuten, Ausrüstung oder Handys dieser Hersteller könnten Spionen eine Hintertür öffnen, um an Staats- und Firmengeheimnisse zu gelangen oder kritische Infrastruktur lahmzulegen. Huawei weist dies seit langem vehement zurück, Beweise gibt es bisher nicht.

Inzwischen haben mehrere Industriestaaten erklärt, den Einsatz von Huawei-Technik in ihren Märkten einzuschränken. Die Bundesrepublik Deutschland hat bisher noch keine offizielle Entscheidung über den künftigen Umgang mit Huawei getroffen, allerdings mehren sich die kritischen Stimmen in der Regierung. Bisher hatte vor allem das Kanzleramt darauf verwiesen, dass es keine Beweise für einen staatlichen Durchgriff auf den Konzern gebe. Noch arbeiten auch alle Telekomanbieter in Deutschland mit dem chinesischen Unternehmen zusammen. In Großbritannien dagegen hat Vodafone angekündigt, die Zusammenarbeit zumindest in Kernnetzen auszusetzen, und auch der ehemalige Staatsmonopolist BT hat Schritte eingeleitet, um den Einsatz einzudämmen.

Großbritannien gehört wie die USA, Neuseeland, Australien und Kanada dem Sicherheitsbündnis "Five Eyes" an, das Erkenntnisse miteinander teilt. Während Australien auf den Einsatz von Huawei-Ausrüstung beim 5G-Aufbau verzichten will, erklärte Neuseeland, eine "unabhängige Bewertung" der Risiken vornehmen zu wollen.

© SZ vom 19.02.2019 / Reuters, SZ

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