Großbritannien:Die Rückkehr des Roaming

Happy young woman talking on mobile phone at roadside, London, England, UK model released Symbolfoto WPEF04442

Ob deutsche Mobilfunknutzer bei Reisen nach London bald auch wieder Roaminggebühren zahlen müssen, ist unklar.

(Foto: William Perugini/imago images/Westend61)

Britischer Mobilfunkanbieter verlangt künftig wieder Aufschlag für das Telefonieren im europäischen Ausland.

Von Alexander Mühlauer, London

Es ist nicht lange her, da beteuerten die großen britischen Mobilfunkanbieter, dass sie keinerlei Pläne hätten, nach dem Brexit wieder Roaming-Gebühren einzuführen. Anfang des Jahres erklärten sie noch einmütig, dass sich trotz EU-Austritts nichts ändern werde im Vereinigten Königreich. Doch davon will nun das erste Unternehmen nichts mehr wissen. Der Anbieter EE, der zur BT Group gehört, kündigte an, dass für Vertragsabschlüsse vom 7. Juli an Gebühren für Telefonate, SMS und Datennutzung im europäischen Ausland anfallen werden. Von 2022 an müssen britische Kunden pro Tag zwei Pfund (etwa 2,33 Euro) bezahlen, wenn sie ihr Mobiltelefon in der EU und einigen anderen europäischen Staaten nutzen.

Nach dem Brexit ist die Rückkehr der Roaming-Gebühren eine der bislang spürbarsten Veränderungen im britischen Alltag. Nun kommt also das wieder, was die EU 2017 abgeschafft hatte. Dass man beim Telefonieren im EU-Ausland grundsätzlich nichts extra bezahlen muss, galt bis vor Kurzem auch im Vereinigten Königreich, das bis zum Ende der Brexit-Übergangsphase noch den EU-Regeln folgte. Doch seit Jahresbeginn müssen sich die Unternehmen in Großbritannien nicht mehr daran halten. Im Freihandelsabkommen, das London und Brüssel im Dezember 2020 geschlossen haben, heißt es lediglich: "Die Vertragsparteien bemühen sich, bei der Förderung transparenter und angemessener Tarife für internationale Mobilfunk-Roamingdienste zusammenzuarbeiten, um das Wachstum des Handels zwischen den Vertragsparteien zu fördern und das Verbraucherwohl zu verbessern."

Dass die Mobilfunkanbieter EE, O2, Vodafone und Three anfangs erklärt hatten, freiwillig auf Roaming-Gebühren zu verzichten, war aus ökonomischer Sicht überraschend. Schließlich verdienten die Mobilfunkanbieter jahrelang viel Geld damit. Betriebswirtschaftlich ist die Entscheidung von EE, nun doch wieder Gebühren zu erheben, also nachvollziehbar. Dem im Handelsabkommen genannten "Verbraucherwohl" dürfte die Entscheidung kaum nutzen; auch wenn EE beteuert, dass die Roaming-Einnahmen nun zu "Investitionen in unseren in Großbritannien ansässigen Kundenservice und unser führendes britisches Netz" beitragen würden.

Damit ist EE alleine. Wettbewerber O2 kündigte aber eine Obergrenze für kostenloses Roaming innerhalb der EU-Staaten an. Wer mehr als 25 Gigabyte an Datenvolumen pro Monat braucht, soll eine Extragebühr bezahlen. Wie die anderen Anbieter Vodafone und Three darauf reagieren, dürfte sich bald zeigen. Deutschen Kunden raten Verbraucherschützer, sich bei ihrem Mobilfunkanbieter zu informieren, inwieweit wieder Roaminggebühren anfallen, wenn sie nach Großbritannien reisen.

© SZ vom 26.06.2021
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