Großbritannien:Wie im Wilden Westen

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RIDERS OF THE FRONTIER, from far left: Roy Barcroft, Jean Joyce (exiting stagecoach), Tex Ritter (far right), 1939 Court

Ein Postkutschenüberfall im Western "Riders of the Frontier" aus dem Jahr 1939: Sind die Anbieter von Coronatests in England genauso schlimm?

(Foto: Courtesy Everett Collection/Imago Images)

150 Pfund für einen Corona-Test: Britischer Minister wirft Firmen "Cowboy-Verhalten" vor.

Von Alexander Mühlauer, London

Sajid Javid scheint mit Cowboys nichts anfangen zu können. Für den britischen Gesundheitsminister sind sie offenbar nicht viel mehr als ziemlich unverschämte Typen, die ihren Mitmenschen nicht nur sprichwörtlich den Colt auf die Brust setzen. Am Montag warf Javid jedenfalls einigen Unternehmen im Vereinigten Königreich ein regelrechtes "Cowboy-Verhalten" vor. Er meinte damit all jene Firmen, die für einen von der Regierung vorgeschriebenen Corona-Test auch mal 150 Pfund kassieren, also umgerechnet 175 Euro. Gegen diese Abzocke will der Minister jetzt vorgehen.

Das Geschäftsgebaren mancher britischen Firmen ist seit einiger Zeit zu beobachten. Wer jüngst nach Großbritannien reiste, dürfte bei der Suche nach einem Test-Anbieter entsprechende Erfahrungen gemacht haben. Zurzeit ist es nämlich so: Wer nach Großbritannien will, muss je nach Abreiseort vor und nach der Ankunft eine bestimmte Zahl von Corona-Tests machen. Vollgeimpfte Reisende aus Deutschland müssen etwa ein Testergebnis bei Antritt der Reise vorlegen und sich zwei Tage nach der Ankunft im Vereinigten Königreich erneut testen lassen. Diesen zweiten Test muss man bereits vor der Abreise buchen. Vom Testanbieter bekommt man dann eine Nummer, die man bei der digitalen Einreiseanmeldung anzugeben hat.

Einen Testanbieter findet man auf einer Internet-Seite der Regierung. Nun wurden laut Gesundheitsministerium 57 Firmen von der Liste genommen, weil sie gar nicht existierten oder nicht die geforderten Tests im Angebot hatten. Mehr als 80 Unternehmen wurden wegen irreführender Preisangaben verwarnt. "Es ist absolut inakzeptabel, dass ein privates Test-Unternehmen Urlauber ausnutzt, und mit der heutigen Aktion wird diesem Cowboy-Verhalten ein Riegel vorgeschoben", sagte Gesundheitsminister Javid am Montag.

Die britische Verbraucherorganisation Which begrüßte den Schritt, bezeichnete ihn jedoch als längst überfällig, schließlich sind die Schulsommerferien bald zu Ende. Nach Angaben der Verbraucherschützer waren bei keinem der laut Regierungswebsite zehn günstigsten Anbieter die beworbenen Tests für den angegebenen Preis verfügbar. Noch am Wochenende verlangten einige der mehr als 400 gelisteten Anbieter gut 300 Pfund für zwei Corona-Tests. Gut möglich, dass so mancher Cowboy stolz wäre auf diese Wild-West-Methoden.

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