Groschenromane Ein bisschen Glück für 1,80 Euro

Groschenromane werden immer noch millionenfach verkauft.

(Foto: Olaf Simons via Wiki Commons (CC BY-NC 3.0))

Der klassische Groschenroman hat die Jahrzehnte überdauert. Bis heute lässt sich damit eine Menge Geld verdienen: Die Hefte werden immer noch millionenfach verkauft.

Von Dieter Sürig

Romanhefte dürfte es in einer Welt voller belletristischer Bücher und digitaler Medien eigentlich gar nicht mehr geben. Aber weit gefehlt: Die Verkaufszahlen gehen zwar zurück, doch es werden noch Millionen-Auflagen an eine treue Leserschaft gebracht. Das Genre bildet im Buchmarkt eine kleine, feine Nische, in der Newcomer oft chancenlos bleiben gegen die etablierten Verlage Kelter, Bastei und Cora. Die füllen eine begehrte Marktlücke: Millionen Leser warten jede Woche auf die unsterblichen Helden des Happy End - sie heißen "Dr. Norden", "Julia" oder "Dr. Stefan Frank".

Und das freut nicht nur die Leser. Bastei-Chef Thomas Schierack muss für die Romanhefte gar nicht so viel Werbung machen, sie sind Selbstläufer. "Der Marketingaufwand ist minimal, verglichen mit dem, was wir bei einem neuen Buch an Verkaufsunterstützung aufwenden", sagt er. Und die Gewinnspanne ist hoch: Selbst wenn 75 Prozent der Hefte unverkauft von den Kiosken zurückkommen würden, hätte Bastei noch einen Gewinn.

Den modernen Groschenroman gibt es auch als E-Book

Doch die Verlage ruhen sich nicht in der lukrativen Nische aus, zumal die Leser immer älter werden. Sie haben erkannt, dass das E-Book die Lebenserwartung des Groschenhefts verlängern kann - und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Der Geschäftsführer von Kelter, Mario Melchert, will damit jüngere Leser abholen. Er bringt es auf den Punkt: "Überall sehnt man sich nach einem Happy End. Es ändert sich nur die Verpackung". Internetportale bieten zudem die Möglichkeit, ältere Hefte nachzubestellen und Titel anzubieten, die nur elektronisch veröffentlicht werden. Sei es nun Steampunk, Gay-Romance oder Erotik.

Die Verlage denken noch weiter: Auf Streamingportalen gibt es künftig Kurzgeschichten fürs Smartphone, manche haben auch das gute alte Hörbuch entdeckt, um Heftromanklassiker für die Ohren anzubieten.

Und die frühere Heftromanautorin Anna Basener sucht auch neue Zielgruppen. Sie erzählt, warum sie sich von Heimat- und Adelsromanen in Heftform verabschiedet hat und nun lieber über Huren und Arbeitermilieu schreibt.

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