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Griechenlands Zukunft in der Euro-Zone:Schleppt sie durch! - Nein, lasst sie gehen!

Viele Politiker und Beobachter sind erzürnt: Da will die Euro-Zone das schwächelnde Griechenland mit Hunderten Milliarden Euro unterstützen - und deren Premier Papandreou torpediert die Pläne. Sollen die Griechen überhaupt noch in der Euro-Zone bleiben? Ein Pro & Contra

Es war falsch, was man Deutschen und Griechen erzählt hat. Bei der Einführung des Euro wurde behauptet, eine gemeinsame Währung sei ohne Solidarität zu haben und ohne den Verzicht auf Souveränität. Doch das ist ein Irrtum. Beides ist notwendig, heute mehr denn je.

Concerns over future drop in tourism to Greece

Soll Griechenland in der Euro-Zone verbleiben?

(Foto: dpa)

Für Europas Politiker ist das geplante Referendum in Griechenland ein Schock. Wenn das griechische Volk die strengen Auflagen ablehnt, die mit dem Rettungspaket verbunden sind, dann ist eine Staatspleite nur eine Frage von Tagen. Schon wird über den Austritt Athens aus der Euro-Zone spekuliert. Das wäre ein Katastrophe.

Die Europäer würden ihre Hilfszahlungen stoppen, auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) gäbe es kein Geld mehr. Griechenland gingen buchstäblich die Euros aus. Die Regierung wäre gezwungen, die Drachme wieder einzuführen und dramatisch abzuwerten. Mit dem neuen Geld aber ließen sich die alten Euro-Schulden nicht begleichen. Es wäre die erste Staatspleite in Westeuropa seit 60 Jahren. Die geldgebenden Banken und Versicherungen hätten das Nachsehen, sogar die EZB ginge leer aus.

Nach einem griechischen Tabubruch könnten auch Portugal oder sogar Italien versucht sein, den anstrengenden Sparkurs zu verlassen und sich ihrer Schulden praktisch über Nacht zu entledigen - per Staatsbankrott. Die Akteure an den Finanzmärkten würden sofort darauf spekulieren, welches Land als nächstes an der Reihe ist, und die Zinsen in die Höhe treiben - von Portugal über Spanien und Italien bis zu Frankreich.

Würde Griechenland zur Drachme zurückkehren, wäre ein Banken-Run kaum zu vermeiden: Verständlicherweise würden alle griechischen Sparer ihre Konten plündern, um noch schnell ein paar Euro zu bekommen. Die Folge: Nicht nur Griechenland wäre bankrott, sondern auch seine Finanzinstitute. Das würde Spuren in ganz Europa hinterlassen.

Kein einziges Problem wäre gelöst

Für Athen aber würde die Geldbeschaffung unmöglich. Wer will schon griechische Anleihen kaufen, wenn die Währung Drachme heißt und ständig an Wert verliert? Es dürfte wohl viele Jahre dauern, bis der Vertrauensbruch überwunden wäre und sich die griechische Regierung bei Anlegern wieder Geld borgen könnte. Bis dahin wäre das Kapital knapp, so knapp, dass die Wirtschaft nur schwer auf die Beine käme. Das hätte schlimme Folgen für den sozialen Zusammenhalt und die Demokratie in Athen.

Katapultiert sich Griechenland aus der Euro-Zone, wäre das ein großes Unglück für das Land, ein noch größeres Unglück aber wäre die Kapitulation für die Euro-Gemeinschaft. Das Vertrauen in die Währungsunion wäre zerstört. Der Exodus der Griechen könnte den Anfang vom Ende der gemeinsamen Währung bedeuten. Und das alles, weil ein Land, das die Wirtschaftskraft Hessens hat, vielleicht zahlungsunfähig wird? Weil es vor lauter Sparerei keine Chance auf eine durchgreifende Gesundung sieht?

Europa hätte damit kein einziges seiner Probleme gelöst: die Ansteckungsgefahren in Italien und Spanien nicht, die Kapitalnot der Banken nicht, den Mangel an gemeinsamer Wirtschafts- und Fiskalpolitik nicht. Die Befürworter eines Austritts argumentieren gern, die griechische Hilfsaktion sei ein Fass ohne Boden. Es stellt sich nur die Frage, ob das Loch im Fass noch viel größer wird, wenn Europa Athen fallenlässt.

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