Griechenland Was von Varoufakis bleibt

Yanis Varoufakis mit seinem Nachfolger als Finanzminister: Euklid Tsakalotos.

(Foto: Bloomberg)

Der griechische Ex-Finanzminister Varoufakis hat den falschen Ton angeschlagen. Aber er hat die richtige Debatte geführt.

Ein Kommentar von Ulrich Schäfer

Yanis Varoufakis ist weg, und das ist auch gut so. So sehen es fast alle in Brüssel, so sehen es fast alle in Berlin (mal abgesehen von der Linken). Vermutlich empfindet nicht zuletzt Wolfgang Schäuble eine klammheimliche Freude darüber, dass dieser Ökonomie-Professor aus Athen, omnipräsent in den klassischen und in den sozialen Medien, sich endlich als Irrtum der Geschichte erwiesen hat.

Aber war er das wirklich, ein Irrtum der Geschichte? Oder hat Varoufakis nicht in Wahrheit die richtige Debatte über Europas Krisenpolitik geführt?

Varoufakis hat überzogen, fraglos. Anstatt um Vertrauen zu werben, hat er diejenigen, von denen er Geld wollte, beleidigt und beschimpft; er hat die Sitzungen der EU-Finanzminister für Belehrungen genutzt und anschließend damit kokettiert, dass er die Treffen mitgeschnitten habe. Varoufakis hat damit heftige, teils überzogene Abwehrreaktionen provoziert: bei den anderen EU-Finanzministern, aber auch bei den Staats- und Regierungschefs und in der EU-Kommission.

Aufgetreten wie ein Besserwisser

Das eine wie das andere ist bedauerlich. Denn Varoufakis hat in den fünf Monaten und wenigen Tagen, die er Finanzminister war (fast exakt so lang wie einst Oskar Lafontaine), die richtigen Fragen aufgeworfen, die richtigen Themen angesprochen - aber er hat dabei den falschen Ton angeschlagen. Er ist aufgetreten wie ein Besserwisser. Und daher gescheitert.

Die richtigen Fragen: Sie betreffen das Design der europäischen Krisenpolitik, die Verteilung der sozialen Lasten, einen Schuldenschnitt und das Problem, dass man eine labile Wirtschaft abwürgt, wenn man zu sehr spart. Die griechische Wirtschaft war labil, sehr labil sogar, als das Land in Not geriet; sie war viel schwächer als die Wirtschaft in Portugal oder Irland, weshalb die Nebenwirkungen der Sparpolitik in Griechenland viel gravierender sind.

Zu Recht hat Varoufakis kritisiert, dass die Einschnitte, die die Vorgänger-Regierungen auf Druck der Troika umgesetzt haben, viel zu sehr die Armen, die Schwachen, die normalen Bürger getroffen haben und dass die Milliarden aus dem Hilfsprogramm am Ende auf Umwegen vor allem bei den Banken gelandet sind.

Nun ist es ja grundsätzlich nicht falsch, den Finanzsektor vor einem Crash zu bewahren, weil andernfalls die Ersparnisse von Millionen Menschen entwertet werden könnten. Andererseits: In Griechenland hätte es weitaus mehr bedurft - etwa eines EU-Investitionsprogramms, mit dem die darniederliegende Wirtschaft in Gang gebracht wird; einer aktiven Konjunktur- und Wirtschaftspolitik also, wie sie der britische Ökonom John Maynard Keynes im Gefolge der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren begründete.