Griechenland "Wir sind gut zu all unseren Mitarbeitern. Wir sind eine Familie"

Cosco stellte über einen Subunternehmer neue Leute ein, zahlte weniger und stellte Zeitverträge aus. Es entstand eine Zweiklassengesellschaft. Die Cosco-Arbeiter und jene, die bei der Hafengesellschaft Griechenlands angestellt waren. Cosco-Leute bekamen um die 900 Euro und manchmal erst ein bis zwei Stunden vor Schichtbeginn eine Nachricht, ob sie gebraucht würden. So erzählen es die Gewerkschafter. Bald konnte man zuschauen, wie sich das Geschäft auf das Terminal von Cosco verlagerte. Im Cosco-Teil schafften die Arbeiter es, 30 Container die Stunde abzufertigen. Nebenan, im griechischen Teil, waren es nur halb so viele. Bald hatten die einen Arbeit, die anderen nicht.

Kamen die Chinesen als Ausbeuter?

Bei ihrem Einstieg hatte es der Staat ihnen jedenfalls leicht gemacht, ihren Teil des Hafen zu sanieren, weil er die teure Belegschaft behielt. Aus damaliger Zeit stammt der Ruf, Cosco sei nur auf Gewinnmaximierung aus. Wer Captain Fu dies vorhält, kann zuschauen, wie der Mann in Fahrt kommt: Seine Sätze sausen jetzt wie Handkantenschläge auf seine Gesprächspartner nieder. "Alles falsch!" Es gehe ja schon mit einem Missverständnis los: Was bedeute überhaupt: die Chinesen kämen?

Als sie damals im Containerterminal anfingen, da hätten sie weit mehr als tausend Arbeiter angestellt, alle vom griechischen Arbeitsmarkt. Gerade einmal eine Hand voll chinesische Manager habe Cosco mitgebracht. "Fünf bis sechs!", ruft Captain Fu. Cosco sei eigentlich griechisch, sagt er. "Wir sind gut zu all unseren Mitarbeitern. Wir sind eine Familie." Natürlich könne ein Grieche, der in jungen Jahren bei Cosco anfängt, ein Leben lang bei dem Unternehmen bleiben. Wenn er sich nur um die Firma kümmere, wie sich die Firma um ihn. So denkt Captain Fu. "Wer nicht arbeitet, muss um seinen Job fürchten."

"Wir Griechen haben klargemacht, dass wir gleichberechtigte Partner sind"

Cosco könne nicht wie die öffentliche Hand funktionieren: "Rumsitzen, Kaffee trinken, erzählen, jeden Tag zwei bis vier Stunden arbeiten - kann es so laufen?" Nicht in seiner Familie jedenfalls. So sieht das Familienoberhaupt Captain Fu.

Tatsächlich ist es so, dass es unter Cosco keine Massenentlassungen gab oder gravierende Gehaltskürzungen. Als Cosco im Jahr 2016 im Hafen als Mehrheitseigner einstieg, hatte der Staat die Gehälter für die Belegschaft ohnehin schon gesenkt. Nicht etwa, weil Cosco das verlangt hätte. Sondern weil Brüssel dies im Zuge der Rettungsprogramme gefordert hatte.

Yanis Varoufakis "Yani, warum bist du eingeknickt?"
Yanis Varoufakis und der kleine Mann

"Yani, warum bist du eingeknickt?"

Yanis Varoufakis spricht und schreibt viel vom kleinen Mann. Dann besucht ihn der Zeitungsverkäufer Lambros Moustakis. Ein Treffen in Athen.   Von Tim Neshitov

Auch die Hafenarbeiter wurden bei den vielen Sparrunden nicht geschont. Musste der Hafen mal 70 Prozent der Ausgaben für Löhne hinlegen, sind es heute nur noch etwa gut 50 Prozent. Wer bei Cosco anheuert, verdient immer noch nicht schlecht. Etwa 1200 Euro im Monat zu bekommen, das bedeutet, mehr zu verdienen als junge Ärzte oder Anwälte. Erstmals gibt es auch Kontinuität: Seit Ausbruch der Krise hat die Regierung viermal gewechselt. Aber Cosco bleibt. Es gebe einen Plan für die Zukunft und Leute, die daran arbeiteten, berichtet ein Angestellter im Hafen, der dort seit 31 Jahren beschäftigt ist.