Griechenland-Krise im historischen Vergleich:Das Gespenst von Weimar

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Marshall-Plan, Agenda 2010, Kanzler Brünings Sparpolitik: In den Krisen von Griechenland oder Spanien ist die Stunde der historischen Vergleiche angebrochen. Ökonomen streiten heftig, ob sich die Krisenländer der Euro-Zone kaputtsparen - oder weitere Geldspritzen brauchen.

Harald Freiberger und Markus Zydra

Die Verhandlungen waren hart, sie dauerten Wochen: Erst vor wenigen Tagen einigten sich die Retter aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) mit der griechischen Regierung auf ein neues Hilfspaket von 130 Milliarden Euro. Griechenland muss dafür strikte Sparauflagen erfüllen. Doch kaum herrscht im einen Land halbwegs Ruhe, begehrt das nächste auf: Spanien wehrt sich gegen den Sparzwang der EU. Das Defizitziel, das für 2012 auf 4,4 Prozent der Wirtschaftsleistung festgelegt wurde, müsse unbedingt aufgeweicht werden. Madrid will auf fünf Prozent dringen, heißt es.

Laien-Darstellung der finanziellen Situation während Weltwirtschaftskrise 1932

Leere taschen: Auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise 1932 forderte eine Berliner Zeitung ihre Leser auf, ihre finanzielle Situation auf einem Foto darzustellen und an die Redaktion zu senden. Das beste Foto wurde prämiert. Unter den ersten Preisen war diese Aufnahme mit der Überschrift: "Zwei Freunde treffen sich im Park und unterhalten sich über ihre Geschäftsaussichten." Heute streiten Ökonomen, inwieweit sich die damalige Krise mit der Situation in Spanien und Griechenland vergleichbar ist.

(Foto: SCHERL)

Ob in Griechenland oder Spanien - das Argument ist immer dasselbe: Ein rigider Sparkurs führe nur dazu, dass die Konjunktur weiter abgewürgt werde. So werde das Land nie auf die Beine kommen. Deshalb führe kein Weg daran vorbei, dass die EU, IWF und EZB - die "Troika" - noch mehr Geld in die Hand nehmen und der Wirtschaft in den Ländern auf die Beine helfen. Erst danach könne man anfangen zu sparen. "Spare in der Zeit, dann hast du in der Not", sagt der Volksmund. Aber was ist, wenn man in der Not sparen muss? Hat man dann irgendwann keine Zeit mehr?

Es ist eine Debatte, die an den Grundfesten der Ökonomie rührt. Sie geht zurück auf John Maynard Keynes, der zur Erkenntnis kam, dass ein Staat in einen Abschwung nicht noch hineinsparen dürfe. Er müsse dann durch eigene Investitionen die Konjunktur ankurbeln. Sparen könne man wieder im Aufschwung. Ein Ökonom, der den beiden Ländern Spanien und Griechenland beispringt, ist der Würzburger Professor Peter Bofinger, einer der fünf Wirtschaftsweisen. Er sagt: "Spanien droht eine Rezession, normalerweise würde eine Regierung dann eine expansive Fiskalpolitik einschlagen, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Das passiert aber nicht. " Ganz im Gegenteil.

Die spanische Regierung hat ehrgeizige Sparziele: Experten nennen das eine prozyklische Politik. Sie verstärkt den Trend, und der ist negativ. Die Rezession verschlimmert sich. "Dabei besteht die Gefahr, dass es durch die Abschwächung der Wirtschaft zu geringeren Staatseinnahmen und damit zu einem höheren Defizit als geplant kommt", fürchtet Bofinger und warnt: "Wenn die spanische Politik gezwungen wird, hierauf mit erneuten Sparmaßnahmen zu reagieren, dann spart sich das Land wirklich kaputt."

Griechenland, so Bofinger, sei diesem Punkt schon viel zu nahe. "Die katastrophale Lage der griechischen Wirtschaft kann nicht primär auf die mangelnde Spar- und Reformbereitschaft Griechenlands zurückgeführt werden", sagt er. Die jetzt beschlossenen Maßnahmen wie die Senkung des Mindestlohns, Rentenkürzungen und die Entlassung von 15.000 Staatsbediensteten würden vielmehr fatal an die Notverordnungspolitik des Reichkanzlers Heinrich Brüning von 1930 bis 1932 am Ende der Weimarer Republik erinnern und die Nachfrageschwäche in Griechenland weiter verschärfen.

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