Griechenland:Zurück im EZB-Orbit

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Das griechische Finanzministerium kann nach 13 langen Jahren wieder einmal einen langfristigen Kredit aufnehmen.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Die griechische Regierung hat erstmals seit 2008 wieder eine Staatsanleihe mit 30 Jahren Laufzeit am Finanzmarkt platziert. Internationale Investoren zeigten nach Angaben des Finanzministeriums großes Interesse und gaben dem südeuropäischen Land am Mittwoch einen Kredit in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. "Dieser Verkauf griechischer Anleihen symbolisiert die Rehabilitation der Nation", sagte Alexandros Malamas, ein Händler bei Piraeus Securities in Athen, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Griechenland hat damit nach der langen EU-Schuldenkrise die vollständige Rückkehr an den internationalen Kapitalmarkt geschafft, und das, obwohl die Staatsschulden derzeit auf 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen sind.

Bis zum heutigen Tag muss das Land alte Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) bedienen - ein Relikt aus alten Zeiten. Im Jahr 2010 begann für das EU-Mitglied der lange Kampf gegen die drohende Staatspleite. Der IWF, die EU und die EZB koordinierten damals Finanzhilfen und forderten im Gegenzug strenge Sparauflagen ein, die im Land zu massiven Protesten und politischen Unruhen führten. Damals musste Griechenland mehr als 40 Prozent Zins bezahlen für die Ausgabe einer zehnjährige Staatsanleihe. Am Mittwoch lag die Rendite für den Milliardenkredit bei niedrigen 1,9 Prozent.

Genauso wie andere finanzschwache Euro-Staaten profitiert auch Griechenland von den Maßnahmen der Europäischen Zentralbank. Mit ihrem Nothilfeprogramm zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie begann die EZB im März 2020, auch griechische Staatsanleihen zu kaufen. Das war in den Jahren zuvor aufgrund der schlechten Finanzlage des Landes noch ausgeschlossen worden. Die EZB-Käufe drückten die Renditen der griechischen Schuldscheine genauso wie der Umstand, dass die EZB es Europas Banken fortan gestattete, auch griechische Staatsanleihen bei der Notenbank mit einem Abschlag zu beleihen. Außerdem dürfen griechische Banken mehr Staatsanleihen besitzen als früher. Diese drei Maßnahmen steigerten die Nachfrage nach griechischen Schuldscheinen, was den Kreditzins immer weiter absenkte. Die Rückkehr Griechenlands in den EZB-Orbit gilt den internationalen Geldgebern als Gewähr, dass ihre Kredite an das Land einigermaßen sicher sind.

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