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Grenzkontrollen:Mit Schengen scheitert der Binnenmarkt? Der Forscher sagt: "Grotesk übertrieben"

Das Ifo-Institut hält nun dagegen: Die Wissenschaftler beziffern den Schaden für die ganze EU nur auf knapp 30 bis 65 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist immer noch viel, aber deutlich weniger als bei den anderen Studien. Woher kommt dieser gewaltige Unterschied? Das Ifo vergleicht die Handelsströme vor und nach Einführung von Schengen ab 1995 und ermittelt so, was die faktische Abschaffung von Schengen kosten könnte. Forscher Gabriel Felbermayr rechnet so aus, dass die Transportkosten durch die Kontrollen im Mittel um sieben Prozent steigen. Weil die Transportkosten nur etwa zehn Prozent des Werts einer Ware ausmache, sei der Effekt begrenzt.

Um wie in den anderen Studien von France Stratégie und Prognos auf eine Verteuerung der Waren um bis zu drei Prozent zu kommen, müssten die Transportkosten durch Grenzkontrollen um 30 Prozent steigen. Unrealistisch viel, findet Felbermayr. Sein Fazit: "Wenn Kommissionschef Jean-Claude Juncker sagt, mit Schengen scheitert gleich der ganze Binnenmarkt, ist das grotesk übertrieben." Die Politik der Grenzkontrollen verursache Kosten, helfe aber gegen illegale Zuwanderung, und sei damit weit günstiger als die Folgen eines unkontrollierten Zustroms von Flüchtlingen.

Die Frage ist, ob die Ifo-Methodik wirklich alle Kosten von Grenzkontrollen erfasst. So befürchten die Ökonomen der US-Bank Morgan Stanley eine Beeinträchtigung des Investitionsklimas. Vor allem kleinere Firmen könnten durch die geschlossenen Grenzen von Geschäften in anderen Staaten abgebracht werden. Indem sie andere Effekte als eine Steigerung der Transportkosten ansetzen, ermittelt Morgan Stanley ähnliche Schäden wie France Stratégie - Handelseinbußen von bis zu 20 Prozent. So ein Einbruch würde den Kontinent um Jahre zurückwerfen.