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Börsenindex:Grenke fliegt aus dem S-Dax

Grenke

Ein erlösendes Zeugnis: KPMG hat laut Grenke den Jahres- und Konzernabschluss 2020 des Konzerns uneingeschränkt gebilligt.

(Foto: Uli Deck/dpa)

Das Leasingunternehmen hat es verpasst, seine Finanzzahlen rechtzeitig zu veröffentlichen - auch aufgrund der Vorwürfe eines Spekulanten. Das Start-up Auto1 rückt in den Index nach.

Von Nils Wischmeyer, Köln

An schlechte Nachrichten dürfte sich die Führungsriege des Leasingunternehmens Grenke mittlerweile gewöhnt haben. Zuerst veröffentlichte der britische Spekulant Fraser Perring einen Bericht mit heftigen Vorwürfen, der die Aktie einbrechen ließ, wenig später schickte die Bafin Sonderprüfer ins Unternehmen, dann flammte ein interner Machtkampf auf.

Und jetzt fliegt die Firma, die ihr Geld mit der Finanzierung von Bürogeräten verdient, auch noch aus dem S-Dax - und ist damit das erste Opfer der neuen Regeln für die Indizes der Dax-Familie. Die Börse hatte diese nach dem Wirecard-Skandal eingeführt, um weitere Peinlichkeiten zu verhindern. Eine der neuen Regeln besagt, dass Unternehmen spätestens vier Monate nach Ende des Geschäftsjahres ihren Finanzabschluss vorlegen müssen. Für Grenke wäre das Ende April gewesen.

Die Firma aus Baden-Baden hat diese Deadline verpasst, und zwar indirekt aufgrund der Vorwürfe Perrings. Diese werden aktuell von einem Sonderprüfer der Bafin untersucht, und solange der Vorgang nicht abgeschlossen ist, wollen die Wirtschaftsprüfer keinen Haken unter die Bilanz des Unternehmens setzen. Grenke will am 21. Mai seinen Jahresabschluss vorlegen und bei dem Termin auch von der Sonderprüfung berichten. Um im S-Dax zu verbleiben, ist das zu spät.

Das Ausscheiden aus dem Index dürfte in Baden-Baden einerseits für Missmut sorgen, da an der Listung immer auch Prestige hängt. Andererseits verschwindet das Unternehmen durch den Rauswurf zumindest ein bisschen aus der Öffentlichkeit.

Der Vorstand schlägt sich schon seit Monaten mit den Vorwürfen des Shortsellers Perring herum. Der Spekulant hatte der Leasingfirma in einem Bericht unter anderem "eklatanten Buchhaltungsbetrug" vorgeworfen. Barmittel seien nicht existent, das Geschäft nicht so werthaltig wie kommuniziert und Freunde des Gründers und größten Anteilseigners Wolfgang Grenke würden sich an der Firma bereichern, so die Anschuldigungen. Die Aktie brach daraufhin ein, der Kurs hat sich bis heute nicht erholt.

Turbulente Aufklärung

Zwar konnte der Vorstand einige der Vorwürfe schnell ausräumen, indem er etwa die Existenz von Bareinlagen bei der Bundesbank nachwies. Andere hingegen, etwa eine große Nähe von Freunden Grenkes zur Firma, haben sich bestätigt. Um eine Sonderprüfung im Auftrag der Bafin kam das Leasingunternehmen somit nicht herum. Grenke selbst hat inzwischen zwei Prüfgesellschaften an Bord geholt, die die Vorgänge durchleuchten sollen.

Reibungslos verlief die Aufklärung seither nicht. Die Finanzaufsicht Bafin drohte zwischenzeitlich damit, Vorstand Mark Kindermann abzuberufen, woraufhin dieser im Februar selbst hinschmiss. Im Anschluss kam es zu einem internen Machtkampf: Wolfgang Grenke ließ durchblicken, dass er die aktuelle Vorstandsvorsitzende Antje Leminsky am liebsten loswerden würde. Daraufhin sah diese sich veranlasst, in einer Nachricht an die Belegschaft von einer Falschmeldung zu schreiben. Die Familie Grenke verfasste später einen Brief, um die Wogen zu glätten.

Den vakanten Platz im S-Dax nimmt Auto1 ein. Das Start-up verdient sein Geld mit einer Plattform für den Handel von Gebrauchtwagen und war erst im Februar überhaupt an die Börse gekommen.

© SZ/vit
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