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Sonderprüfer:Harsche Kritik an Grenke

Firmensitz der Grenke AG

Grenke wuchs in den vergangenen Jahrzehnten schnell und ist mittlerweile im Börsenindex S-Dax gelistet.

(Foto: Uli Deck/dpa)

Die Leasingfirma muss zurzeit mehrere Sonderprüfungen über sich ergehen lassen. Ein Zwischenbericht der Prüfer bringt den Konzern weiter in Bedrängnis.

Von Nils Wischmeyer

Die erfreuliche Nachricht für Grenke steht am Anfang: Aktuell gehen die Sonderprüfer von der Prüfungsgesellschaft Mazar davon aus, dass das Geschäft der Firma Grenke aus Baden-Baden und Kredite in Milliardenhöhe tatsächlich existieren. Damit dürfte sich die Querelen um die Leasingfirma nicht zu einem zweiten Fall Wirecard auswachsen, bei dem der Finanzkonzern im Juni 2020 eingestehen musste, dass 1,9 Milliarden Euro plötzlich fehlten und kurz darauf Insolvenz anmeldete.

Allerdings haben die Prüfer von Mazar, die für die Finanzaufsicht Bafin seit einigen Monaten die Bilanzen und Bücher des Konzerns durchkämmen, in ihrem Zwischenbericht auch viel auszusetzen an den Praktiken, mit denen man bei Grenke und der Grenke Bank in den vergangenen Jahren Geschäfte geführt hat.

Die Liste der Kritikpunkte reicht von schwerwiegenden Fehlern in der Geldwäscheprävention und Teilen der Kreditvergabe über die fehlerbehaftete Behandlung von Franchiseunternehmen in der Bilanz und fehlende Mindestanforderungen bei Krediten. Zudem hat Grenke offenbar nicht offengelegt, dass Geschäftspartner personell mit dem Gründer Wolfgang Grenke oder seinem Umfeld verbunden sind. Ein endgültiger Bericht steht aus.

Fehler bei der Bilanzierung

Geld verdient die Firma vor allem im Leasing. Das heißt, sie finanziert Firmen Büromaterial gegen eine monatliche Ratenzahlung, ähnlich wie bei einem Leasingvertrag für Fahrzeuge. Zudem kauft sie ausstehende Forderungen mit einem Abschlag auf, was sich im Fachjargon Factoring nennt. Mit diesem Geschäftsmodell wuchs die Firma in den vergangenen Jahrzehnten schnell und ist mittlerweile im S-Dax gelistet. Gründer Wolfgang Grenke gilt bei der in Baden-Baden ansässigen Firma noch immer als derjenige, der die Fäden zieht, auch wenn er zwischenzeitlich in den Aufsichtsrat gewechselt ist.

Gerade seine personellen Verflechtungen und die seines Umfelds sind es nun, die in den Fokus der Prüfer geraten sind. So bemängeln die Prüfer unter anderem, dass die langjährige Freundin von Gründer Wolfgang Grenke nicht als sogenannte "Related Partie", also als "verbundene Partei" aufgeführt wurde, obwohl die Beziehung zu Wolfgang Grenke im Konzern bekannt gewesen sei.

Kritisiert haben die Prüfer zudem das Franchisegeschäft des Grenke-Konzerns. Konkret geht es dabei um mehrere Franchisegesellschaften des Unternehmens, die oft von ehemaligen Mitarbeitern aufgebaut und später von Grenke aufgekauft wurden. Viele dieser Firmen gehörten zu einer Gesellschaft namens CTP, die dafür aber eine zu hohe Rendite eingestrichen hat, wie die Prüfer von Mazar berichten. Zudem sei die Bilanzierung dieser Franchiseunternehmen fehlerhaft, was Grenke nun korrigiert und damit Eigenkapital von 90 Millionen Euro aus den Büchern gestrichen hat. Künftig will Grenke das Franchisesystem nicht wie bisher weiterführen.

Verheerendes Zeugnis

Der Zwischenbericht ist nicht nur ein verheerendes Zeugnis für den Konzern, sondern vor allen Dingen für dessen langjährige Führung. Ein guter Teil des Vorstands sind Eigengewächse, die teils schon jahrelang im Konzern arbeiten. Bereits Anfang Februar hatte Vorstand Mark Kindermann hingeschmissen. Offenbar waren er und die Prüfer unterschiedlicher Meinung in gleich mehreren Punkten. "Um eine Auseinandersetzung über die Berechtigung und die Wesentlichkeit dieser Kritikpunkte vor Abschluss der Prüfungen zu vermeiden und um potentiellen Schaden daraus von der Gesellschaft fernzuhalten, hat Herr Kindermann seine Mandate heute niedergelegt", hieß es damals aus Baden-Baden.

Dass die Prüfer von Mazar die Bücher durchforsten und die Geschäfte der Firma in Frage standen, hat mit einem Bericht von Viceroy Research zu tun, einer Firma, hinter der der Leerverkäufer Fraser Perring steht. Der hatte im vergangenen Jahr in einem Bericht viele der Kritikpunkte angekreidet, die nun auch die Prüfer von Mazar aufführen. Seit Perring den Report veröffentlicht hat, lässt Gründer Wolfgang Grenke sein Mandat im Aufsichtsrat ruhen. Zudem engagierte der Konzern zwei Prüfer, die die Geschäfte des Konzerns durchleuchten sollten. Zusätzlich reagierte die Finanzaufsicht Bafin und schickte die Prüfgesellschaft Mazar ins Unternehmen.

Trotz all den Versäumnissen, die die Mazar-Prüfer ankreiden, erwartet Grenke für das Jahr 2020 ein Nachsteuerergebnis im oberen zweistelligen Millionenbereich und ein finales Testat im zweiten Quartal. Die Aktie kostete zu Beginn der Woche gerade einmal 30 Euro und damit 60 Euro weniger als noch vor einem Jahr, erholte sich aber nach dem Zwischenbericht und legte zeitweise um 15 Prozent zu. Die Anleger, sie hatten offenbar schlimmeres erwartet.

© SZ
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