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Grenke:Angriff aus dem Nichts

Finanzdienstleister Grenke AG

Grenke-Zentrale in Baden-Baden: Das Leasing-Unternehmen soll seine Bilanzen aufgebläht und Geschäftspartner abgezockt haben.

(Foto: Uli Deck/dpa)

Ein Leerverkäufer hat gegen Grenke gewettet und dann schwere Vorwürfe erhoben. Die Aktie reagiert heftig.

Von Nils Wischmeyer, Köln

64 Seiten sind es, die den Aktienkurs der Grenke AG in die Tiefe fallen ließen. Die deutsche Firma aus Baden-Baden ist auf Leasing spezialisiert, also auf Finanzierungsgeschäfte, und ist im M-Dax gelistet. In diesem Index stehen die 60 Unternehmen, die es noch nicht in die Königsklasse geschafft haben, den Dax. Der Leerverkäufer Fraser Perring hat sich das Unternehmen vorgenommen und macht ihm in einem 64-seitigen Bericht viele, teils schwerwiegende Vorwürfe.

Als dieser Bericht nun aufgegriffen wurde, sackte die Aktie am Dienstag stark ab, verlor in der Spitze mehr als 25 Prozent ihres Wertes, und auch am Tag darauf sank und sank der Aktienkurs. Am Ende hatte sich der Wert der Grenke-Aktien halbiert, mehr als eine Milliarde Euro an Börsenwert waren vernichtet.

Fraser Perring hatte die Aktien des Unternehmens leerverkauft. Das bedeutet, er leiht sich Aktien, verkauft diese und kauft sie später an der Börse zurück. Fällt zwischenzeitlich der Preis, kann er sie günstig zurückkaufen und damit Gewinn machen. Er dürfte also von dem Absturz der Aktien profitiert haben. In seinem Bericht jedenfalls behauptet er unter anderem, dass die Grenke AG ihre Bilanzen aufgebläht, Geschäftspartner abgezockt und Geldwäsche über ihre Bank-Tochter ermöglicht habe. Er wirft dem Unternehmen zudem vor, dass ein Großteil seiner Bankguthaben nicht vorhanden sei und Gründer Wolfgang Grenke an Übernahmen von Franchiseunternehmen verdient habe. Den Vorwurf, man habe nicht so viel Geld auf der Bank, wie angegeben, dementierte das Unternehmen zügig. Das Geld liege zum größten Teil bei der Bundesbank, die sich nicht äußerte, aber auch nicht dementierte.

Wolfgang Grenke, Gründer und mittlerweile im Aufsichtsrat, äußerte sich selbst zu den Vorwürfen, er habe sich bereichert. Konkret warf Perring ihm vor, Anteile an einer Firma zu halten, von der Grenke regelmäßig Firmen zu angeblich überteuerten Preise kaufe. Grenke wies das zurück. Zum einen gehöre ihm die Firma erst seit Anfang des Jahres, womit er bei vergangenen Übernahmen nicht profitiert habe. Zudem habe es eine faire Bewertung der gekauften Unternehmen gegeben.

Am Freitag äußerte sich das Unternehmen dann, wies alle Vorwürfe zurück und sagte, diese "entbehren jeder Grundlage". Einige Zahlen von Perring seien frei erfunden, andere aus dem Kontext gerissen oder falsch interpretiert. Man behalte sich rechtliche Schritte vor. Um nun das teils erschütterte Vertrauen der Aktionäre zurückzugewinnen, habe man zudem KPMG mit einer Sonderprüfung beauftragt. Die Prüfer sollen nun alle Vorwürfe kleinteilig aufzuarbeiten. Die Aktie stieg daraufhin zunächst steil an, pendelte sich dann aber rund um den Kurs des Vortages ein.

© SZ vom 19.09.2020
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