Greensill Bank:Schluss in Bremen

FILE PHOTO: The Greensill Bank is pictured in downtown Bremen

Seit Januar 2019 hatte sich die Bafin monatlich von der Greensill Bank in Bremen über ihre Geschäfte informieren lassen. Jetzt ist das Institut trotzdem insolvent.

(Foto: Fabian Bimmer/Reuters)

Die Finanzaufsicht stellt Insolvenzantrag für die Greensill Bank. Die Ersparnisse von Privatkunden sind zwar sicher, einige Kommunen dürften aber viel Geld verlieren.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Das Zittern hat vorerst ein Ende: Privatanleger, deren Geld bei der Bremer Greensill Bank eingefroren ist, können nun bald auf Entschädigung hoffen. Wenige Tage nachdem die Finanzaufsicht Bafin das Institut geschlossen hat, stellte sie am Montagabend beim Amtsgericht Bremen Insolvenzantrag. Am Zug ist nun der Entschädigungsfonds der privaten Banken, der die Spareinlagen von Privatanlegern auszahlt.

Der Insolvenzantrag der Bremer Bank ist der nächste große Finanzskandal in Deutschland, während die Aufarbeitung des Wirecard-Debakels noch längst nicht abgeschlossen ist. Das Bremer Institut hatte jahrelang über Online-Portale wie Weltsparen und Zinspilot mit vergleichsweise hohen Zinsen viele Millionen Euro an Spareinlagen eingesammelt, mit denen Geschäfte der britisch-australischen Mutterfirma Greensill Capital abgesichert wurden. Das Wachstum war enorm: Alleine im Jahr 2019 stieg die Bilanzsumme der Bank von 760 Millionen auf 3,8 Milliarden Euro. Ende 2020 belief sie sich sogar auf 4,5 Milliarden Euro. Greensill Capital meldete vor ein paar Tagen ebenfalls Insolvenz an, nachdem Versicherungen für ihre Fonds weggefallen waren. Das Kerngeschäft der 2011 vom Australier Lex Greensill gegründeten Firma ist die Lieferketten-Finanzierung.

Auf der Verliererseite stehen rund fünfzig Kommunen oder bankähnlichen Kunden, die in der Summe rund 500 Millionen Euro bei dem Institut angelegt hatten. Obwohl sie seit Oktober 2017 nicht mehr von der Sicherungseinstrichtung geschützt sind, hatten die Städte und Gemeinden Geld zu der Bremer Bank getragen - um ein paar Promille Negativzinsen zu sparen, welche sie bei anderen Banken und Sparkassen hätten zahlen müssen.

Viele Kommunen werfen der Finanzaufsicht nun vor, zu spät über die Probleme bei der Greensill Bank informiert zu haben. Die Bafin hatte die Bank Anfang März wegen drohender Überschuldung geschlossen und das Management bei der Staatsanwaltschaft Bremen angezeigt, weil für Forderungen in der Bilanz teilweise kein Nachweis erbracht werden konnte. Die Pleite wirft daher erneut die Frage auf, wie schlagkräftig die deutsche Finanzaufsicht arbeitet. Während die Bafin im Fall des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard zu lange in die falsche Richtung ermittelt hatte, hatte sie bei Greensill zwar deutlich früher und beherzter eingegriffen, offenbar aber nicht beherzt genug, um die Pleite rechtzeitig abzuwenden.

Wie die Bafin im Detail agiert hat, geht aus einer Kleinen Anfrage der Finanzpolitikerin Lisa Paus von den Grünen an die Bundesregierung hervor: Demnach hat sich die Behörde seit Januar 2019 monatlich über die Bilanzdaten der Bank unterrichten lassen und ab Sommer intensivere Gespräche mit der Bank geführt, bei denen es offenbar um das rasante Wachstum der Bank ging. Auch der Prüfverband der privaten Banken, der für die Einlagensicherung die Mitgliedsinstitute überwacht, nahm das Geldhaus ab Sommer 2019 unter die Lupe. Im März 2020 bemängelte der Prüfverband dann die hohen "Konzentrationsrisiken" der Bank, also vor allem die Kredite an das Stahlunternehmen Gupta Family Group, das eng mit Greensill Capital verbunden war. In der Folge sollte die Bank ihre Kredite an Gupta schrittweise zurückfahren und weniger Einlagen annehmen, was das Geldhaus allerdings nur teilweise umsetzte. Außerdem ließ sich der Verband damit abwimmeln, dass die Bank Kredite versichert hatte.

Immerhin: Der Bafin schien die Lage dann doch zu bunt zu werden. Im Juli 2020 verwarnte die Behörde das Institut und Anfang September kündigte sie "aufsichtliche Reaktionen" an. Im Januar 2021 schickte die Bafin schließlich einen Sonderbeauftragten nach Bremen. Der untersagte der Bank, unbeschränkt Einlagen und Kredite zu vergeben. Zugleich liefen Gespräche mit Greensill Capital, um einen rettenden Investor für die Bank zu finden. Dazu aber kam es nicht mehr. Kurz darauf kündigten die Versicherungen ihre Verträge für die Kredite, Greensill begann zu kippen. Kommunen wie das nordrhein-westfälische Monheim bekamen von all dem allerdings nichts mit: Sie trugen noch am 11. Januar 2021 rund drei Millionen zur Greensill Bank - Geld, das wohl für immer weg ist.

Privatkunden dagegen können sich entspannen: Der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken schreibt sie an. Wer seit der Geldanlage bei der Greensill Bank umgezogen ist, sollte dem Fonds aber seine neue Adresse mitteilen. Eile ist nicht geboten, der Anspruch auf Rückzahlung erlischt erst nach fünf Jahren. In der Summe geht es um rund drei Milliarden Euro - der größte Schadensfall für die Einlagensicherung seit der Pleite von Lehman Brothers Deutschland vor mehr als zehn Jahren.

© SZ/sry
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