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Grauer Kapitalmarkt:Anleger auf dem Rückzug

Die Insolvenz des Container-Anbieter P&R war manchen Anlegern eine Lehre. Sie haben 2018 alternative Investmentfonds gemieden. Oft eine heikle Anlage.

Von Markus Zydra, Frankfurt

Die Nachfrage nach Geldanlageprodukten des Grauen Kapitalmarkts ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. "Bei alternativen Investmentfonds für Privatanleger kam es 2018 zu einem deutlichen Einbruch von 31, 6 Prozent auf eine Milliarde Euro", so das Ergebnis einer aktuellen Marktstudie, die der Fachjournalist Stefan Loipfinger am Mittwoch beim "Sachwerte Kolloquium" in München ausführlich vorstellen wird. Durch die Insolvenz und den mutmaßlichen Betrugsskandal beim Container-Anbieter P&R ist auch der Markt für Vermögensanlagen deutlich zurückgegangen.

Mit alternativen Investmentfonds sind etwa geschlossene Immobilienfonds, Hedgefonds und Private Equity Fonds gemeint; bei Vermögensanlagen handelt es sich um Unternehmensbeteiligungen, Genussrechte, Namensschuldverschreibungen und Nachrangdarlehen. Beide Anlagegattungen zählt man zum Grauen Kapitalmarkt, den der Gesetzgeber in den letzten Jahren zumindest ein wenig reguliert hat. So soll das Kleinanlegerschutzgesetz die Transparenz der Vermögensanlagen erhöhen, etwa durch bessere Informationen zur Laufzeit der Anlagen und Kündigungsrechten. Die Emittenten dieser Produkte müssen meist Prospekte bei der Finanzaufsicht Bafin einreichen, die von der Behörde allerdings nur auf Formalien geprüft werden. Geldanlagen am Grauen Kapitalmarkt gelten daher immer noch als sehr riskant. Neben P&R mussten Tausende Anleger auch bei der Immobilienfirma S&K empfindliche Verluste hinnehmen, nachdem den Geschäftsführern wegen Betrugs der Prozess gemacht worden war.

"Diese geschlossenen Fonds sind illiquide", warnt Experte Loipfinger. Anleger müssten teilweise zehn Jahre und länger einplanen. Da könne bis hin zum Totalverlust viel passieren. Loipfinger empfiehlt: "Anleger dürfen sich nicht auf die Aufsichtsbehörde Bafin verlassen. Die Qualität der Produkte müssen sie selbst prüfen." Die wenigen guten Anbieter zeichneten sich durch absolute Transparenz aus. "Dazu gehören eine vollständige Leistungsbilanz mit allen Ergebnissen der Vergangenheit und eine nachvollziehbare Ertragsvorschau für die Laufzeit.

© SZ vom 19.02.2019
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